Was bisher geschah…
„Was … was soll das? Hände hoch? Alle beide? Ich?“ Hias war als Geisel ein blutiger Anfänger, und er blutete auch, als ihm Mutschlechner den Lauf seiner Waffe auf die Nase schlug.

Er packte Hias, der nicht wusste, ob er jetzt ohnmächtig werden sollte oder nicht, beim Kragen und schob ihn in den engen Lift, aus dem Gloria, die Augen weit aufgerissen und eine Hand vor dem Mund, regungslos starrte. Mutschlechner wartete, bis sich die Lifttür hinter ihnen geschlossen hatte, dann drückte er den Knopf.

Als sich die Tür im Keller des Hotels öffnete, wollte Hias, der sich ein Taschentuch auf seine Nase drückte, darauf hinweisen, dass sich ihr Zimmer eigentlich im zweiten Stock und nicht im Keller befand, besann sich aber nach einem Blick auf Mutschlechners Waffe eines Besseren und schwieg.

„Raus. Hier entlang.“ Mutschlechner deutet mit dem Lauf der Waffe auf die blaßblau gestrichene Metalltüre mit der Aufschrift „Waschkuchl“.

Er öffnete die Tür und stieß die beiden in den Raum, in dem sie von einer Wolke aus warmer, feuchter Luft empfangen wurden. Wortlos schloss er die Tür hinter ihnen und sperrte sorgfältig ab. Er ging langsam zur hinteren Kellertür und als er Hias schimpfen hörte, konnte er das Zucken seiner Mundwinkel beim besten Willen nicht mehr vermeiden: „Lassen Sie uns sofort aus! Wir sind ja keine Waschfrauen, gell. Und Geiseln auch keine. Geiselnahme ist verboten, auch in Südtirol. Meine Schafe brauchen mich. Frechheit!“

Hias setzte sich auf einen Stapel Bettwäsche, der im Eck lag und nur darauf wartete, in einer der riesigen Waschmaschinen zu landen. Er war zornig, seine Nase schmerzte und Angst hatte er auch.
Gloria, die sich wieder gefasst hatte, warf sich nahm sich einen blaugrünen Kimono von der Wäscheleine, warf ihn über die Schultern und baute sich vor ihm auf:
„Du hast Recht, Hias: Geiselnahme ist verboten. Aber Geishanahme nicht.“

Gloria krabbelte aus dem riesigen Haufen frisch gewaschener, ungebügelter Bettwäsche, von einem leicht atemlosen Hias gefolgt. Sie versuchte, Ordnung in Ihre Haare zu bringen, Hias zog sich wieder an und schon bald saßen sie da und benahmen sich so, wie sich Geiseln zu benehmen haben: Angstvoll nachdenkend, beim kleinsten Geräusch zusammenfahrend und mit dem vergeblichen Versuch beschäftigt, Ordnung in den wirren Reigen ihrer Gedanken zu bringen.

„Was will er von uns?“ fragte Hias.
„Wer ist er überhaupt?“ fragte Gloria
„Ich bin sicher, er ist der Arsch mit dem Alfa, den …“
„ … wir uns schnappen wollten, und der jetzt uns geschnappt hat,“ ergänzte Gloria.
Hias schluckte. „Dann schaut es aber nicht gut aus für uns.“ Er wollte uns ja mit seinem Alfa ermorden Und jetzt hat er sicher nicht vor, uns an einen Streichelzoo zu verkaufen“.
„Wo du Recht hast, hast du Recht. Aber wo liegt die Verbindung zu uns?“ Gloria schaute ratlos zu Hias, der sich am Kopf kratzte. Er schwieg nachdenklich.

„Ha!“ Gloria, die sich an ihren Helden gekuschelt hatte, zuckte zusammen.
„Ich habs! Das Rätsel der Lösung ist dass wir, also, dass er meint, …“
„ … du sprichst wohl von der Lösung des Rätsels, mein lieber nicht wahr? Und was soll er schon meinen? Meinen tun die Hennen und er ist wohl eher ein Hahn als ein Huhn“. Gloria blickte ihn an.
„Ja, ja, Rösung und Lätsel oder umgekehrt,“ entgegnete Hias aufgeregt. „Wichtig ist, dass er irgendeine Verbindung mit den Vorgängen im Keller und uns vermutet. Und wahrscheinlich mit den Morden auch!“ Hias war sichtlich aufgeregt.

Gloria sah ihn mit großen Augen an, sie dachte einen Augenblick nach und dann nickte sie heftig: „Klar, genau so ist es: Er ist uns irgendwie auf die Spur gekommen, und hat dir dann im Keller eins übergebraten. Er hält uns für Mitwisser. Und das beweist, dass …“
„ .. wir mit unserer Vermutung über die Morde und den Keller richtig liegen!“ Hias freute sich und er erfasste Glorias Hand.
„Das heißt, dass wir uns etwas einfallen lassen sollten, wenn wir unsere Ärsche retten wollen!“ Er blickte Gloria entschlossen an. Gloria nickte und war einen Augenblick lang stolz auf den Mut und die Entschlossenheit unseres, nein ihres Helden.
Dieser war aufgesprungen und suchte in der Waschküche nach einem Prügel, einem Messer oder nach irgendetwas, das sich als Waffe verwenden ließ. Er fand nichts und so drehte er einen kleinen Holztisch um und riss zwei der vier Tischbeine mit einem Ruck ab. Einen der Tischbeine gab er Gloria, das zweite steckte er in die Schlaufe seines Gürtels. Er sah jetzt aus wie Bub, der mit seinem Holzschwert Richard Löwenherz spielt.
Gloria machte sich an die Untersuchung des großen Wandschranks, der hinter den Waschmaschinen stand und Hias startete in dem Augenblick mit dem Versuch, die Türe aufzubrechen als er hörte, wie sich der Schlüssel langsam im Schloss drehte. Die Schnalle wurde von außen nach unten gedrückt die Tür öffnete sich einen kleinen Spalt und dann ging alles ganz schnell.