Ein großer Baum schmückt den Platz vor dem Olympiastadion in Berlin und sorgt für weihnachtliche Stimmung in der Deutschen Hauptstadt. Woher kommt er und was will er dort?

Vor einer Wintersaison, bei der es so unsicher wie selten zuvor ist, ob denn auch wirklich wieder genug Gäste in die Tiroler Skigebiete kommen, heißt es vermehrt Werbung zu machen und in den Medien präsent zu sein. Und am besten ist eine Werbung doch, wenn sie die Aufmerksamkeit der Menschen für sich gewinnen kann, oder? Umso besser, wenn man dann im Besitz einer 22 Meter hohen Fichte ist, und diese direkt vor dem Berliner Olympiastadion aufstellen darf.

22 Meter hoch vor dem Olympiastadion

Genau das macht das Zillertal derzeit und versucht so in die Köpfe der Berliner Bevölkerung zu kommen. Bis zu Weihnachten steht die Fichte geschmückt auf dem Vorplatz des Olympiastadions. Beim nächsten und letzten Heimspiel der Saison von Hertha BSC Berlin findet zusätzlich ein Weihnachtsmarkt statt, bei dem auch der auffällige Zillertal-Marketing-Bus vor Ort sein wird.

Soweit so gut, und eigentlich alles super. Wäre da nicht die gekünstelte Pressemitteilung der Zillertal Tourismus GmbH, die mich leicht schmunzeln lässt:

117 Jahre umgeben von intakter Natur

Bis vor wenigen Tagen stand die Fichte noch auf 1.700 Metern Seehöhe in Hochfügen im Zillertal. 117 Jahre ist sie im Wald der Agrargemeinschaft Fügen-Fügenberg gewachsen. Gespeist von reinem Trinkwasser konnte der Baum gesund wachsen und gedeihen. Reines Trinkwasser, das im Zillertal auch zur Beschneiung der Skipisten verwendet wird. Denn das Zillertal ist ein Wintersportdorado, das seinen Gästen für ihren Winterurlaub Schneegarantie bietet. Durchschnittlich sorgen in den Zillertaler Skigebieten zwei Schneekanonen pro Pistenkilometer für ein unbeschwertes Skivergnügen.

Es liest sich wie eine romantische Geschichte aus der Tiroler Bergwelt – die Reise der alten Zillertaler Fichte in die deutsche Bundeshauptstadt. Was aber passierte mit den zig anderen Fichten, die beim Bau der 11 km langen neuen Talabfahrt nach Aschau dem Bulldozer weichen mussten? Was mit dem Naturraum, der 2007 für den Bau einer neuen, zweiten Zubringerbahn platt gemacht wurde? Headlines wie „117 Jahre umgeben von intakter Natur“ stoßen mich bitter auf und lassen die gute Marketing Idee in den Hintergrund treten. Wieso belässt es die Zillertaler Tourismus GmbH nicht bei dieser Idee und versucht mit allen Mitteln die Umweltverträglichkeit der Schneekanonen in den Vordergrund zu stellen? Es ist gut und wichtig den Gästen die Notwendigkeit und Funktionsweise von Schneekanonen zu erklären, aber bitte nicht bei jeder noch so kleinen Pressemitteilung.

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Die Fichte vor dem Berliner Olympiastadion – gesponsert aus dem Zillertal. Hoffen wir, dass sie den gewünschten Marketing Effekt hat und die Berliner Bevölkerung nicht die gleichen Fragen stellt wie ich. Hoffen wir auch, dass die sportliche Leistung des Berliner Fußballclubs nicht auf die Zillertaler Marketingabteilung abfärbt. Hertha BSC befindet sich derzeit nämlich abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz…