Sonntag Mittag, das Wetter ist ok, nicht mehr Sommer, aber auch noch kein Winter. Die Berge sind leicht wolkenverhangen und ganz oben liegt nach wie vor Schnee. Schnee im September – alles ganz normal im Sommer 2010. Was also tun, wenn man nicht gelangweilt in Innsbruck einen Kaffee trinken will sondern doch eben eine kleine Wanderung machen will? Ja klar, wieso nicht an den Achensee?

Gaisalm 8

Die Gaisalm am Achensee

Diesen kleinen Nachmittagsspaziergang kennt wahrscheinlich jeder Tiroler: Von Achenkirch nach Pertisau am Westufer entlang. Ein schöner, für den Standard-Touristen begehbarer Wanderpfad mit schönen Tiefblicken auf den See. Massentauglich angelegt mit vielen Stufen und im Fels angebrachten Seilen, auch an Stellen wo eigentlich keine große Gefahr besteht. Der Tourist von heute will sich sicher in den Bergen bewegen, das ist klar!
Wohl oder übel kommt man schließlich nach einer Stunde „wandern“ an der Gaisalm vorbei und jeder, der sich heute für diesen Spaziergang entschieden hat, wird wohl dort etwas konsumieren.

Die Gaisalm ist ein Ruhepol wie man ihn nur mehr selten findet, kein Auto, kein Lärm stört die Ruhe und wer sich zu Fuß auf den Weg macht, hat sich Entspannung bei Speis und Trank auf der Terasse redlich verdient.

Gaisalm1Mit diesem Spruch, wirbt die Gaisalm auf der offiziellen Homepage. Dabei erwartet man eigentlich ein gemütliches, kleines Restaurant, mit schönen roten Sonnenschirmen und netten, in Tracht gekleideten Bedienungen. So hab ich mir das zumindest vor meinem inneren Auge vorgestellt. In der Realität sieht das Ganze anders aus: Man betritt die Holzhütte und es erwartet einem eine Durchgangsschranke mit blauen „Geradeauspfeil“. Die Getränke sind fein säuberlich im Kühlfach abgestellt und das Naturradler zapft man sich für günstige 4 Euro selbst aus der Anlage. Die Speisen sind für Amerikaner und Co. inklusive Fotos abgebildet – ein Service, den man sonst nur in den bekannten Döner-Buden kennt. Das bestellte Naturschnitzel wird gut sichtbar vor einem zubereitet, auch die Currywurst bzw. die Pommes aus der Kühltruhe. Eine richtige Tiroler Spezialität findet sich nicht auf den Bildern, muss ja auch nicht, an diesem Allerweltsort bedarf es keiner regionalen Besonderheiten. Zum Abschluss geht es an die Kasse. Die Kasiererin erinnert dabei eher an eine Maschine:

„Griaß di, einmal Naturschnitzel mit Spätzle und Salatgarnitur, einmal Currywurst mit 1x Ketchup und 1x Mayonese, 2 Radler – macht zusammen 26 Euro bitte!“

Wieso zahl ich nicht gleich an einem Automaten? Das wäre genauso persönlich!

Tiroler Gemütlichkeit 2.0

Wieso muss bitte eine Hütte wie diese, die nur per Schiff oder Fuß erreichbar ist, zu einem Standard – Selbstbedienungsrestaurant umgewandelt werden? Wo bleibt hier der Tiroler Qualitätstourismus, die Tiroler Gastfreundschaft, die viel gelobte Tiroler Gastlichkeit? Wieso finde ich direkt am Achensee, „abseits aller Motorengeräusche“ ein Allerwelts-Gasthaus mit einer Speisekarte wie beim Chillies in Innsbruck?

Übrigens: Mein „Naturschnitzel mit Spätzle“ hat geschmeckt wie eine vertrocknete Schuhledersohle. Sehr zu empfehlen…

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