Es gibt immer wieder Menschen, die im Inn schwimmen – abwärts, versteht sich. Das Wasser ist ihnen nicht zu kalt, es sind ausdauernde Schwimmer: Junge und Alte, Frauen und Männer. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Gegenden und es gibt nur eine Sache, die sie gemeinsam haben: Sie sind tot.
Die Polizei tappt im Dunkeln, während die Bevölkerung immer unruhiger wird.
Da tauchen in einer kleinen Innsbrucker Galerie Bilder eines längst verstorbenen Hobbymalers auf, auf denen dunkle, längliche Flecken zu sehen sind, die in einem Fluss treiben. Zwei Dedektive wider Willen und bar aller Erfahrungen machen eine grausige Entdeckung, und schon bald hängt ihr Leben an einem seidenen Faden.

Erleben Sie ein Tirol, in dem sich Macht und Politik, Sex und Gewalt ein Stelldichein geben. Erleben Sie ein Tirol, in dem nichts so ist, wie es scheint!

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Prolog

Mit einem dumpfen Plop schlug die Kokosnuss in dem weißen Sand auf. Der weisse Sand färbte sich langsam rot. Blutrot. Leise schwangen die länglichen, schlaffen Früchte der Kokospalmen im Wind hin und her. Aus einigen Früchten tropfte etwas Rotes in den Sand und wurde dort, wo die kleinen Wellen schäumend den Strand heraufkrochen, gleich wieder weggewaschen. Die Sonne am Horizont senkte sich langsam nach Westen und es schien, als ob sie damit beeilen würde, um ihr Licht nicht länger auf die bizarren, langsam verwesenden Körper werfen zu müssen, die in den Palmen schaukelten.
Die Gehenkten an der südlichsten Palme, die von ferne wie Früchte aussahen, drehten sich langsam schwingend um ihre eigenen Achsen, weil das kopulierende Gibbon-Männchen hoch oben zwischen den Palmwedeln glaubte, er sei heute wieder ein ganz toller Hecht.

Da zerriss ein metallischer Schrei die Stille. Hias schreckte aus seinem Traum auf und brachte den Wecker, der den metallischen Schrei ausgestoßen hatte, mit einem Schlag seiner flachen Hand zum schweigen. Als er sich im Bett aufsetzte und, die Augen reibend zum Fenster blickte, spürte er seine ausgetrocknete Kehle.
„Ahh, schon wieder schlecht geträumt“, murmelte er, schon auf dem Weg in die Küche, wo er hinter dem ungewaschenen Geschirr des gestrigen Abends noch ein sauberes Glas vermutete. Nach einigen kräftigen Schlucken fühlte er sich etwas besser. Hias öffnete die Vorhänge und gestattete der frischen Luft, sich in seiner kleinen Zweizimmerwohnung auszubreiten.
Als er aus der Dusche stieg, brodelte die Espressomaschine auf der Herdplatte und er freute sich auf  sein übliches Katerfrühstück: Zwei große Tassen Extremespresso, eine Scheibe gebratener Speck und zwei Spiegeleier. Seit er vor vielen Jahren einmal mit der Tochter seines Nachbarn nach London getrampt war, hatte ihn diese Gewohnheit nicht mehr losgelassen.

Hias räumte den Tisch ab und schlichtete das Geschirr in die Spülmaschine. Gerade als er sich auf den Weg in den Stall machte, brüllten die Sex Pistols ihr „Who killed Bambi?“ aus seiner Hosentasche. Er zögerte kurz, dann griff er nach seinem Mobiltelefon. Erst viel später sollte ihm klarwerden, dass er das besser nicht getan hätte.