Ein Rechtsruck geht durch die Gesellschaft, das kann niemand verleugnen. Ausländer? Super! Im Urlaub als Kellner, im Fernsehen oder wenn sie uns nachm Ausgehen als letzte Ölung noch ein Kebap in als Magenschmeichler zubereiten, da haben wir sie gerne. Ansonsten wächst die Zahl der Teilzeitrassisten und Hobby – Rechtsaußen rapide an. Von der nächsten Reichskristallnacht sind wir noch ein Stück entfernt, aber Diskriminierung, Ausgrenzung und Xenophobie sind gelebte Realität im heiligen Land Tirol!


Öffentliche Panik gedeckt durch die Politik

Panikmache rund ums Thema Burka, allgemeine Verteufelung von Nordafrikanern und eine bedenkliche Furcht vor allem was nicht jodelnd und in Schützentracht durchs Leben läuft ist in Mode in vielen Bevölkerungsschichten. Letztens habe ich mit Schrecken aus dem Mund eines eigentlich vernünftigen KArbeitskollegen vernommen, dass unsere Kinder wahrscheinlich auch Kopftücher tragen müssen und in Tiroler Schulen türkisch gelehrt werden wird. Das alles wird von der Politik nicht nur nicht im Keim erstickt, sondern auch gerne und bewusst dazu benutzt um die Bürger von anderen Problemen wie Hypo Dilemma, TILAK Disaster oder TIWAG Mafia abzulenken.


Mia san mia – bleda wia die Kiah!

Auch in meinem nächsten Umfeld macht sich wachsender Unmut über das viel besungene Integrationsproblem bemerkbar. „Warum müssen die Weiber in Kopftüchern durch die Gegend laufen?“ oder „Verfluchtes Tschuschengsindl“ sind vielleicht noch keine salonfähigen Redewendungen, aber so richtig schräg angeschaut wird man auch nicht wenn man rassistische Sprüche loslässt. Die Ironie, die dabei angeblich mitschwingt, erkenne ich immer seltener.

„Der? Nein der ist nett, das ist nicht ein solcher!“

Wenn man die Menschen dann darauf anspricht was denn so schlimm ist daran, wenn jemand ein Kopftuch trägt, fehlen die Argumente. Jeder Tiroler hat ausländische Nachbarn, Kollegen und Freunde. „Die stören mich natürlich nicht, das sind ja nicht solche….“

Wer aber sind dann die solchen? Sind Immigranten in Tirol alle miteinander Zigeuner, Drogendealer, Zuhälter, Pfladeranten und Kinderstehler? Oder handelt es sich dabei um eine kleine Teilmenge, die leider in den Medien zu oft genannt werden. Wenn ein Serbe in eine Traffik einbricht, kann man sich sicher sein dass die Kronenzeitung dies in der Berichterstattung erwähnt, bricht ein Tiroler ein, steht nicht in Klammmer hinter dem Namen: Seppl P. (Einheimischer). Dass der Rest unserer ausländischen Mitbürger wegen einigen Spinnern zu leiden hat, ist schlicht und ergreifend dumm.

Ich möchte es hier also keinesfalls gut heißen, wenn Marokkaner Drogen verkaufen oder Tschetschenen in Lokalen prügeln und pöbeln. Verbrechen begehen aber immer Personen, nicht Volksgruppen. Wir haben in Tirol einige schwarze Schafe unter den Einwanderern, die sollen auch zur Rechenschaft gezogen werden für ihre Fehler. Allgemeine Urteile über die tausenden, fleißigen und rechtschaffenen Ausländer die in Tirol leben, sollten wir aber vermeiden.

Toleranz als Erfolgsgeheimnis – von beiden Seiten

Wichtig im Umgang miteinander sind Respekt und Toleranz. Das heißt nicht, dass Türken zu Schuhplattlern mutieren und Schuhplattler sich im anatolischen Kulturverein nebenan engagieren. Eine Kultur schließt die andere aber nicht aus, sondern bereichert sie viel mehr. Es würde vielen Tirolern nicht schaden, den eigenen Horizont der oftmals nicht über das Karwendel hinausreicht, ein wenig zu erweitern. Ein Minarett im Dorf bedeutet nicht, dass unsere Kirchen und Klöster in Flammen aufgehen, sondern schlicht und ergreifend dass viele Menschen die eben nicht den Volksglauben Katholizismus in die Wiege gelegt bekamen, nun auch beten können wenn sie dies wünschen. Wir müssen unsere Tradition und Herkunft nicht verleugnen, nur weil wir fremde Traditionen tolerieren und respektieren.

Neben den Eingeborenen stehen auch die Zuwanderer in der Pflicht. Respekt gegenüber dem Land in das man siedelt, muss nicht bedeuten die eigene Identität aufzugeben und sich unterzuordnen. Die Grundregeln der neuen Gesellschaft sollten im Groben aber geachtet werden. Man muss die Sprache nicht schon beim Grenzübertritt fließend beherrschen, sollte aber im Sinne haben sich das „Hexenwerk Deutsch“ anzueignen.

Auge um Auge, Zahn um Zahn?

„… und wenn ich als Frau in den Iran fahre, dann muss ich mich auch verschleiern…“ So und ähnlich lauten die Argumente gegen Toleranz im eigenen Land. Na und? Nur weil es andere falsch machen, müssen wir es ja nicht auch praktizieren. Das babylonische Prinzip Aug um Aug, Zahn um Zahn entspricht nicht gerade der christlichen Lehre der Nächstenliebe die wir anscheinend mit Zähnen und Klauen gegen die islamische Übermacht die uns droht, zu verteidigen haben.

Macht den ersten Schritt

Liebe Tiroler und innen! Stellt Euch vor, ihr müsst das Land der Berge hinter Euch lassen, vielleicht ohne Familie, um in der Fremde Glück und Arbeit zu finden. Die meisten Ausländer sind nicht zu uns gekommen weil sie auf Apres Ski und Pistenzauber stehen, sondern weil sie keine Zukunft in der Heimat sehen. Trotzdem: Dahoam is dahoam, und zwar für jeden Menschen. In eine Wohlstandsgesellschaft wie unsere geboren zu werden, ist kein Verdienst, sondern Zufall, das sollte man nie vergessen. Die Wurzeln hinter sich zu lassen ist vielleicht das schwerste was einem blühen kann. Wenn man dann in ein Land kommt, in dem einen von vorne herein alle feindlich gegenüber zu stehen scheinen, wird man ängstlich und zieht sich zurück.

Warum gehen wir nicht auf die Menschen zu? Ein Schritt im kleinen gesetzt ändert vielleicht nicht die Gesamtsituation, ist aber ein erstes Annähern. Anstatt sich über den Essensgeruch der aus der Nachbarwohnung kommt zu ärgern, probiert doch die neuen Leute im Haus kennen zu lernen. Wetten, dass einen die Kleinigkeiten, die einen an einem Fremden stören, bei einer Person die man kennt, vollkommen egal sind?