Die Innschwimmer – Die Tiroler Geschichte


Was bisher geschah

„Bääähh! Bääähh!“

„Was habt ihr denn?“

„Du magst uns nicht mehr. Mit dieser Menschin, die uns wahrscheinlich gerne isst, liegst du in einem Bett!“ jammerten seine Schafe.

„Warst du schon einmal über Nacht in unsrem Stall? Nur ein einziges Mal?“ Das waren bittere Vorwürfe, und sie trafen sein Schafbauernherz schwer.

„Die hat ja nicht einmal ein Fell. Wenigstens fast keins.“ Jetzt wurden sie aber persönlich, seine Schafe.

„Wir haben nur dich. Wir haben dir immer vertraut! Bääähh. Bääähh“

Hias konnte das Jammern seiner eifersüchtigen Schafe nicht mehr länger ertragen. Er hielt sich die Ohren zu, schüttelte ohnmächtig den Kopf und versuchte, die Tiere zu beruhigen:

„Es ist ja alles ganz anders, als ihr denkt! Freilich hab ich euch noch immer lieb. Ich hab euch zum Fress…“ Das hätte er besser nicht gesagt.

Mit einem gewaltigen Kopfstoß warf ihn Daisy, das Leitschaf, zu Boden und die ganze Herde trampelte über ihn hinweg. Hias war kaum dazu in der Lage, seinen Kopf und andere, für Gloria möglicher Weise noch wichtigere Körperteile vor den harten Hufen zu schützen. Als die Herde über ihn hinweggetrampelt war, setzte er sich stöhnend auf. Sein ganzer Körper schmerzte und er war völlig zerschunden. Da sah er voll Schrecken, dass die mörderischen Tiere, deren Augen jetzt durch rot leuchtende Lampen ersetzt waren, kehrt machten und wieder auf ihn zustürmten. Halb ohnmächtig stand er auf und humpelte so rasch er konnte ins Haus. Er konnte die Türe nicht mehr ganz hinter sich schließen, aber durch den schmalen Spalt, den die durch seinen Fuß blockierten Tür offen ließ, konnten die blutrünstigen Schafe nicht eindringen. Die Tür bebte unter der Wucht ihrer Kopfstöße. Mit den Fingern schaffte es Hias, die Maschinenpistole vom Garderobehaken zu nehmen. Hastig lud er durch.

Dann machte er entschlossen einen Schritt zurück, die Kalaschnikow an der Hüfte im Anschlag. Die Tür flog auf und in dem Augenblick, als Hias den Finger am Abzug krümmte, erwachte er in Glorias Armen.

„Was hast du denn geträumt, mein Schatz?“ Sie lächelte ihn an, und dieses Lächeln war das Schönste, was Hias in seinem ganzen Leben widerfahren war. Na gut, das Zweitschönste auf jeden Fall.

„Du hast ja richtig geschrien! Und völlig verschwitzt bist du auch!“

„Nicht vom Träumen, mein Sonnenschein!“ Er lächelte sie an, ein wenig matt, aber glücklich seinem furchtbaren Traum entronnen und voll Lust auf ein Frühstück mit Gloria, auf eine warme Dusche mit Gloria und auf Gloria natürlich auch.

„Ich mach uns ein feines Frühstück.“ Sie schien seine Gedanken zu erraten, wenigstens die meisten. „Und du holst uns bitte frisches Brot aus der Bäckerei vorn an der Kreuzung.“

Hias zog sich an und ging rasch hinaus auf die Straße. Er sog die frische Luft ein, piff vergnügt „Squeeze me Baby …“ von Led Zeppelin vor sich hin und wäre fast mit Hochwürden zusammengestoßen, der gerade aus der Bäckerei getreten war.

„Guten Morgen mein Sohn!“ Seine Stimme klang belustigt. „So fröhlich wie du sind nur Menschen, die gerade schwer gesündigt haben.“

Hias wurde rot.

„Egal, nicht jede Sünde ist eine Sünde. Und grüß mir Gloria. Schönen Tag!“

Hias starrte Hochwürdenm mit offenem Mund an und machte einen Schritt auf ihn zu. Hochwürden lächelte.

„Du weißt, wie das fromme Liedchen auf deinen Lippen weiter geht: ,… till the juice runs down my legs’“

In diesem Augenblick hörten sie quietschende Reifen und das zornige Dröhnen eines großvolumigen Motors, der mit zu viel Zwischengas in einen niederen Gang gezwungen wurde. Sie machten hastig einen Schritt zurück und starrten in den schwarzen Alfa 159, der an ihnen vorbei raste und sich schlingernd, aber unvermindert schnell Richtung Weiherburg entfernte. In dem Wagen saßen zwei Männer, der Fahrer rtug einen Sonnenbrille, die seine knochige, ungefähr dreieinhalb Meter weit vorstehende Hakennase betonte.

„Ich hab den Wagen heute schon einmal gesehen“. Hochwürden murmelte vor sich hin und verabschiedete sich rasch von Hias, der sich wieder auf den Weg zu Gloria machte.

„Herrschaftsseiten! Jesus, der Fisch und Brot herbeizaubern kann, bist du keiner. Du musst vorher in der Bäckerei einkaufen. Sonst ist aus mit Glorias Lächeln!“ Hochwürden hatte sich umgedreht und grinste Hias an, der sich an den verliebten Kopf griff, einen Dank murmelte und rasch kehrt machte.

Während Hias frisches Brot und vor sich hin grinsend auch zwei Schaumrollen erstand, machte sich Hochwürden eilends auf den Weg ins Widum. Er eilte in sein Büro und schloss die Tür hinter sich ab, nachdem er seiner verdutzt dreinschauenden Haushälterin zugerufen hatte: „Ich muss dringend skypen, mit dem lieben Gott persönlich!“

Es war erstaunlich, dass nicht einmal ein Gotttesmann erkennen konnte, wer sich mit einem leisen „Pronto“ meldete, kaum dass er seinen Blackberry ans Ohr gedrückt hatte: Der Teufel persönlich.