Die Innschwimmer – Die Tiroler Geschichte


Was bisher geschah

… ist ein seltsames Spiel“
Singen konnte Hias bei aller Wertschätzung seiner Person wirklich nicht. Gloria sah erstaunt zu ihm auf, während er, sich zum Takt der unsäglichen Conny Francis wiegte und mit voller Lautstärke voll falsch mit dem Song aus dem Küchenradio, den er auf volle Lautstärke gedreht hatte, voll um die Wette brüllte. „… sie kommt und geht von einem zum andern!“ Gloria hielt sich jetzt die Ohren zu, aber Hias schien von dieser Geste seiner Herzallerliebsten nicht sonderlich beeindruckt. „… Sie nimmt uns alles, doch sie gibt auch viel zu viel.“ „Ruhe!“ Glorias Stimme klang zorniger, zugleich aber viel sinnlicher als die der Conny Francis. „… Die Liebe …“ Schweigen: Hias stand mit offenem Mund und halbvollen Lungen mitten in der Stille, die durch Glorias Schlag auf den kleinen Radioapparat entstenden war. „Sei still, Hias, sonst zeig ich dir, dass die Liebe wirklich ein seltsames Spiel sein kann!“ „Du bist ja eine wunderbare Frau, aber für Kunst hast du kein Verständnis.“ Er schmollte.„Kunst? Wenn das Kunst ist, dann fress ich einen Besen!. Schubert, das ist Kunst, Mahler und von mir aus Led Zeppelin. Aber Conny Francis?“ Ihre Stimme klang verächtlich. Hias beschloss, das Thema nicht weiter zu verfolgen. Zumindest jetzt nicht.

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Vor zwei Stunden hatte ihn Gloria zum Abendessen eingeladen und er tanzte vor Freude durch seinen Schafstall, nachdem er das Telefonat mit ihr beendet hatte. Seine armen Tiere stoben durcheinander, als ob der Wolf unter sie gekommen war und als er sein Leitschaf, das – no na – Daisy hieß, umarmte und ihm einen lauten Schmatz auf die feuchte Schnauze drückte, fürchteten die Schafe bereits das Schlimmste: „Bääähh, ein neues Rezept, für das er ganz viele von uns braucht!“

Das Essen, Gloria tischte ihm Coque au vin auf, war vorzüglich und als sie später bei einem Joint und einem rauchigen Whiskey auf der Couch saßen, auf der er vor einigen Tagen noch halb bewusstlos zwischengelagert wurde, schien die Welt überaus in Ordnung zu sein. Hias brummte zufrieden und lächelte seine Gastgeberin an.

„Ein bisschen Musik?“, fragte Gloria, setzte aber gleich hinzu: „Aber bitte nicht von dir“.
„Gerne Gloria. Aber lass uns doch bitte noch rasch die Abendnachrichten anschauen. Das ist jetzt nicht übertrieben romantisch, aber ich bins halt gewohnt.“ „Schau an, da haben wir ja eine Gemeinsamkeit!“ Während sich Hias genüsslich vorstellte, welche Gemeinsamkeiten zwischen Gloria und ihm noch bestehen könnten, hatte sie den Fernseher bereits eingeschaltet.

Sie setzte sich wieder neben Hias, der sein Glas hob und sie anlächelte: „Prost Gloria, auf deine famosen Kochkünste!“ „Waschen und putzen kann ich auch“, antwortete sie und beinahe hätte er die feine Ironie erkannt, die in ihrer Stimme schwang.

Plötzlich wurde Hias aus seinen Überlegungen, wie er am besten in Glorias Schlafzimmer gelangen konnte, gerissen: Der Sprecher verkündete mit ernster Stimme und gelverklebten Haaren, dass heute nachmittag in Innsbruck eine unbekannte Leiche aus dem Inn gefischt worden war.

„Die Ermittlungen der Polizei sind noch im Gange, wir schalten in die Polizeidirektion zum leitenden Ermittler Inspektor Schäferhundinger. Herr Inspektor, welche Ergebnisse haben ihre Ermittlungen bisher gezeitigt?“ „Nun, nach den uns vorliegenden Erkenntnissen können wir davon ausgehen, dass die verstorbene Leiche männlich, jüngeren Alters und gut gekleidet ist. Wir wissen weiters, dass der Ort ihres Todes wahrscheinlich nicht mit dem ihres Auffindens identisch ist. Es wurden Erdspuren entdeckt, welche auf einen lehmigen Boden, wie er z.B. in Kellern an der, äääh, Tagesordnung sein kann, hinweisen. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir …“ „Heißt das, dass der unbekannte Tote woanders zu Tode gekommen ist?“ Der Reporter unterbrach den Beamten auf sprachlich durchaus vergleichbarem Niveau. „Das würde ja heißen, dass es sich hierbei um Mord handelt! In Innsbruck!“ Seine Gelfrisur bebte vor Freude. Schäferhundinger blieb unbeeindruckt: „Wir gehen deshalb davon aus, dass wir davon ausgehen, dass es weitere intensive Ermittlungen von unsererseits braucht und haben auch von der Staatsanwaltschaft einen eindeutigen Ermittlungsauftrag erhalten.“ „In welche Richtungen ermitteln Sie?“ fragte die Gelfrisur. „Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen.“

„Auch nach Norden?“ dachte sich Gloria und blickte zu Hias, der wie gebannt auf den Plasmabildschirm starrte. „Hast du gehört?“, fragte er sie: „Spuren eines lehmigen Kellerbodens? Das gibt’s doch gar nicht!“ Plötzlich sprang er auf und griff nach seinem Telefon. „Wir müssen die Polizei anrufen! Die Hilferufe, der Keller, der Überfall auf mich – und jetzt die Leiche!“ Er hatte gerade die drei Ziffern des Notrufs gewählt und wollte auf die grüne Taste drücken, als sich Gloria zu ihm beugte und ihm das Telefon sachte aus der zitternden Hand nahm. „Du willst die Feuerwehr anrufen?“, fragte sie lächelnd nach einem Blick auf den Bildschirm des Handys. „Bist du immer so nervös, wenns einmal richtig zur Sache geht?“