was bisher geschah…

„Good times, bad times, you know I had my share!“ brüllte Robert Plant aus Hias‘ Mobiltelefon. Er
brachte den polternden Blondinen mit einem festen Druck auf die Sprechtaste zum Schweigen.

„Hallo mein Schatz, wie gehts dir denn?“
„Danke, gut, flötete Gloria. „Ich sitze mit einem Martini am Balkon und lass mir die Sonne auf den
Bauch scheinen.“
„Das klingt gut, solange der Martini hinten ein ‚i’ dranhat“
„Du bist ja eifersüchtig, Hias!“ Gloria lachte. „Und machst du gerade?“

Hias zögerte, er spürte, dass es uncool war, Gloria zu erzählen, dass er beim Ausziehen des zweiten
Gummistiefels vor der Stalltür ausgerutscht und mitsamt des mit Schafscheiße randvoll gefüllten
Schubkarrens umgefallen war. Er saß gerade mitten in der Bescherung und stank wie ein Schaf.
„Ich, äähh, ich bin gerade im Stall fertig geworden und stehe schon vor der Dusche.“

„Lügenbold!“ Glorias Stimme klang streng. „Du hockst in einem Haufen Scheiße am Boden und
suchst deinen zweiten Gummistiefel.“
„Äähh, nein, ja! Woher weißt du, dass …??“ Er blickte sich ratlos um.

Als er sich wieder umdrehte, stand Gloria vor ihm, das Mobiltelefon in der einen und den
verdreckten Gummistiefel in der anderen Hand. Sie sah ihn verliebt an.

Nachdem sie sich unter der Dusche gegenseitig den Rücken gebürstet hatten, saßen sie beide mit
nassen Haaren in der Küche, Hias entfachte ein Feuer im Kochherd und drückte Gloria eine Tasse
Rum mit Tee in die Hand. Er schenkte sich einen ordentlichen Schluck Schnaps aus einer
Doppelliterflasche ein.
„Fein, dass du gekommen bist. Hättest aber auch anrufen können!“
„Hättest mich ja auch einladen können“, gab sie zurück.
„Hätterätä!“ Hias lachte.
„Komm“, sagte er. „Ich zeig dir mein Reich.“
„Aber gern, du König der Schafe!“

Er führte Gloria in den Stall und stellte ihr Daisy vor. Daisy rülpste und schenkte Gloria keine
Aufmerksamkeit.
Dann drehten sie eine Runde durch den Garten, Hias führte seinen Traktor, den alten Porsche,
System Hofherr & Schrantz, vor und wollte mit Gloria gerade wieder ins Haus zurück, als ihn diese
zurückhielt. Sie nahm seine Hand und blickte ihm tief in die Augen.
„ Wo ist das Heu?“ fragte sie.

Es dauerte eine Zeitlang, bis sie die letzten Halme aus ihren leuchtend roten Haaren gekämmt hatte.
Hias saß neben ihr am Rand der Badewanne und grinste wie ein kleines Kind, das gerade Ostern,
Weihnachten und Schulschluss auf einmal erlebt hatte.

„Wir könnten ein paar Tage mit wegfahren, wenn du möchtest“, sagte Gloria, während sie sie nach
vorne beugte, um ihre frei nach unten hängenden Haare mit einem giftgrünen Gummiband zu
bändigen.
„Das ist toll! Klar, wir können gleich packen.“ Hias freute sich noch ein bisschen mehr und er
dachte einen kurzen Augenblick daran, dass er vielleicht eines Tages vom Schicksal die Rechnung
für diese unglaubliche Menge an Glück präsentiert bekommen würde.

„Und deine Schafe? Wer kümmert sich um die?“ fragte Gloria.
„Kein Problem, das macht mein Nachbar, der Schweinigler Ivo. Ich helfe auch bei ihm aus, wenn er
wieder einmal drei Wochen lang nach Thailand verschwindet.“
„Wo möchtest du denn hin?“ In Glorias Stimme klang für Hias die Gewissheit mit, dass sie schon
genau wusste, wohin die Reise gehen sollte.
„Südtirol! Dort ists immer und überall schön“, antwortete er.
„Daran hab ich auch gedacht“, sagte Gloria. „Ich kenne da ein feines Restaurant: In Klausen …“

„… ist gut mausen!“