was bisher geschah…

„Guten Morgen, meine Herren. Und meine Herrinnen.“ Die Stimme von
Inspektor Schäferhundinger dröhnte in dem kahlen Sitzungssaal im dritten
Stock der Bundespolizeidirektion Kaiserjägerstraße in Innsbruck. Draußen
raste ein Folgetornhon mit rasch tiefer werdendem Klang vorbei,
skandiert von „Ole! Oleoleole!“-Rufen.

Schäferhundinger blickte streng in die Runde. Er hatte seine
Sonnenbrille abgenommen und den Trenchcoat lässig über die Lehne des
nächsten Sessels geworfen. Gebannt sah er dem Mantel dabei zu, wie er
langsam, aber unaufhaltsam Richtung Boden rutschte.

„Wir haben“, begann er, nachdem sich die anderen Beamten gesetzt hatten,
„Also wir haben zwei Tote. Die Leichen sind nicht dort gestorben, wo sie
aufgefunden wurden, nämlich im Inn.“ Das heißt, dass wir es hier
möglicher Weise mit einer Mordserie zu tun haben.“

„Oder auch nicht.“ Das war die Polizeireporterin Tina, intern Miss
Marple genannt. Nicht wegen ihre Alters, sondern wegen ihres Talents,
alle zunächst offensichtlichen Tatsachen in Frage zu stellen. Manchmal
sogar das Wetter.

„Genau. Oder auch nicht“, bestätigte Schäferhundinger.

Die anderen Beamten sahen sich ratlos an. War es nun eine Mordserie oder
nicht?

„Auf jeden Fall ermitteln wir in alle Richtungen außer flussabwärts.“

Die anderen Beamten nickten anerkennend: Ihr Chef war ein scharfsinniger
Analytiker, er hatte gleich erkannt, dass Tote nicht flussaufwärts
schwimmen.

„Aber eine Frage bitte.“ Miss Marple schien langsam in Fahrt zu kommen.

„Ja bitte?“

„Was ist, denn die verstorbenen Leichen flussabwärts zu Tode kamen und
dann flussaufwärts verbracht wurden?“

„Das scheint aus komplizierten Gründen nicht sehr plausibel zu sein.“

„Achso. danke.“

„Ich danke auch.“ Schäferhundinger stand auf und schloss die
Besprechung. „Haben wir noch Fragen?“

Einer der anderen Beamten zeigte auf.

„Ja bitte. Fragen Sie Ihre Frage.“ Schäferhundinger war stolz auf seinen
teamorientierten Führungsstil.

„Was sollen wir jetzt tun?“

„Na was wohl? Ermitteln. Und zwar rasch. Husch, Husch!“ Er hob einen
Mantel vom Boden auf, scheuchte die anderen Beamten aus dem Sitzungssaal
in ihre Büros und hoffte inständig, dass ihnen zum Thema „Ermittlung“
etwas einfallen würde.

„Also komisch ist das schon.“ Tina Marple war mit Schäferhundinger am
Tisch sitzen geblieben.

„Natürlich ist das komisch: Auf dem Speisezettel steht, dass es heute
Kalbsragout gibt und dann serviert die Kantine Gemüselaibchen mit
Dillsauce. Bin ich Vegatarianer?“

„Nein, äh ich glaube nicht, aber ich habe das mit den beiden Toten
gemeint.“ Ihre hübschen langen Wimpern bebten. Hoffentlich fielen sie
nicht auf den Tisch.

„Das ist auch komisch: Zwei mußmaßliche Morde, von denen wir nichts
weiter wissen, als dass sie geschehen sind, weil ja die Toten der
ultimative Beweis dafür sind. Ich kombiniere, dass da ein Zusammenhang
besteht, oder auch nicht, was ich jedoch kaum für sehr wahrscheinlich
halte. Mögen Sie Gemüselaibchen?“