Ischgl: Murmeltier frisst Mähnen Pippau?

Ischgl und der Piz Val Gronda – eine Geschichte, die schon seit 25 Jahren immer wieder für Aufsehen sorgt. Ischgl möchte mit einem Lift den rein vom Anblick her nichtssagenden Berg mit einem Lift erschließen – der Alpenverein ist strikt dagegen und wehrt sich seitdem erfolgreich gegen die Erschließungspläne. War es vor ein paar Jahren noch ein bisher wenig bekanntes „Steinhuhn“ das man nur in dieser Region gesehen haben will, ist es nun die Existenz von zwei seltenen Pflanzenarten, die Grund genug sind, die Ausbaupläne von Ischgl weiter zu blockieren: Der Bacher’sche Löwenzahn und der Mähnen-Pippau- zwei Pflanzenarten die eigentlich keiner kennt, aber dem Alpenverein und auch der Politik genug wert sind, um die Ischgler weiter zu ärgern.

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Ein sehr guter Gastkommentar zu dem Thema kam heute per Mail rein und verdeutlicht die Sicht eines Außenstehenden. Vielen Dank dafür!

Prestigekampf Piz Val Gronda

Mich bestärkt immer mehr das Gefühl, dass es hier nicht mehr ausschließlich um die Erschließung selber geht. Für Ischgl wäre diese Bahn kein Quantensprung, in Bezug auf die jetzige Größe, ist der Gewinn an Pistenkilometern nur marginal. Auch erschließt man nicht einen neuen, höchsten Punkt des Gebietes. Unmengen an Arbeitsplätzen hängen von der Bahn auch nicht ab, wie es vor kurzer Zeit in einem Zeitungsbericht stand. Der „Wirtschaftsbetrieb“ Ischgl läuft, der Rubel (ach ne … Euro) rollt und durch die Erschließung des Piz val Gronda rollt nicht mehr, nicht weniger. Kann mir nicht vorstellen, dass durch die neue Bahn neue, zusätzliche Gäste kommen werden, als jetzt schon kommen. Höchstens ein paar Verrückte Seilbahnliebhaber im Sommer, um die Baustelle zu besichtigen.

Kurzum: Hier geht es m.E. nur um Gewinnen oder Verlieren, keiner will nachgeben. Für die SSAG (Silvretta Seilbahn AG) geht es doch nur ums Prestige, sich hier als eines der größten und erfolgreichsten Tourismusunternehmen in Österreich nicht den Naturschützern geschlagen zu geben. Nach 25 Jahren Kampf wäre dies eine Niederlage, die man sich nicht auf die Fahnen schreiben möchte. Ich will ja nicht wissen, was man bisher an finanzielle Mittel für dieses Projekt aufgewendet hat, ohne dass auch nur ein Spatenstich getan wurde. Jedes andere nicht so liquide Unternehmen hätte schon längst die Segel gestrichen. Die SSAG kann diesen „Kampf“ auch nur auf Grund der gesunden Finanzstruktur führen … und das unter dem Vorzeichen eines ungewissen Ausgangs.

Ich bin mal echt gespannt, wie das ausgeht. Wäre diese Erschließung von wirtschaftlicher Existenz, stünde ich dem etwas anders (also Pro Piz val Gronda) entgegen. Aber so bin ich da eher neutraler unterwegs und amüsiere mich an diesem Theater, wo nichtsahnend gestern ein Steinhuhn aus dem Hut gezaubert wird und heute ein Mähnen Pippau. Die SSAG ist jedesmal in der passiven Rolle, das Gegenteil beweisen zu müssen. Vielleicht sollten sie mal in die andere Rolle schlüpfen und alle möglichen Gutachten erstellen, die nachweisen, dass dort keine Tiere oder Pflanzen leben, die schützenswert sind. Oder gibt es einen Grund, dass dieser Weg nicht gegangen wird?

Abschließend noch eine ironische Frage: Was passiert eigentlich mit einem Murmeltier, welches die letzten noch bestehenden Mähnen Pippaus fressen? Werden die von Natürschützern angezeigt?

In diesem Sinne … auf gehts in die nächste Runde!

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