Skigebiete entdecken die wunderbare Welt des Bloggens. Allerdings kommen sie nicht von selbst auf die Idee – nein: Sie lassen sich von einer teuren Werbeagentur – auf neudeutsch: Cross-Media-Experten – beraten und kommen am Ende auf die glorreiche Idee einen „Traumjob“ auszuschreiben:

In unserem Nachbarbundesland Vorarlberg versucht derzeit die Bergbahn Kleinwalsertal Oberstdorf mithilfe der Werbeagentur Style & Sport einen sogenannten Bergscout zu finden. Dieser soll sich vom 4. Dezember bis Ende April im Skigebiet vergnügen und das ganze in Wort und Bild auf einem Blog und natürlich bei Facebook festhalten. Gelockt wird der Glückliche mit

  • einem kostenlosen Skipass,
  • einer Ausrüstung von Schöffel
  • kostenloser Verpflegung und Unterbringung in einem Naturhotel
  • einer Aufwandsentschädigung von 300 Euro.

Das mag zunächst richtig toll klingen, doch wer zwischen den Zeilen lesen kann, ist klar im Vorteil: Verpflegung gibt es Abends nur drei mal in der Woche im Hotel, das Gästezimmer steht ebenso nur in auslastungsschwachen Zeiten zur Verfügung und ansonsten sind 300 Euro im Monat zum Leben in einem Skigebiet auch nicht wirklich ausreichend. Ganze 10 Euro also pro Tag im Monat – das lohnt sich natürlich…das ist klar!

Traumjob in Australien

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Skihütte im Zillertal - fotografiert von einem Blogger!

Los ging alles in Australien. Dort wurde im Jänner 2009 der Traumjob schlechthin vergeben. Wie im Kleinwalsertal, war die einzige Aufgabe, sechs Monate lang am Great Barrier Reef zu leben, die Freizeitangebote zu nutzen und darüber in einem Blog zu berichten. Mit 13.000 Euro Monatsgehalt stand dafür auch genügend Geld zur Verfügung – anders als im Skigebiet Kleinwalsertal kann man also durchaus von einem komfortablen Lebensunterhalt sprechen. Rund um diesen kreativen Job gab es einen rießigen Medienwirbel. Fast jedes Klatschmagazin im Fernsehen berichtete darüber, aber auch in Tageszeitungen, wie z.B. in der Süddeutschen Zeitung, war der Traumjob vertreten. Das Ziel des australischen Bundesstaat Queensland war also erfüllt: Bekannt werden – weltweit.

Jetzt kommt das Zillertal: „Der Bergschreiber“

Fast ganze 2 Jahre hat es gedauert, bis auch hier bei uns die Idee adaptiert wird: Das Skigebiet Hochzillertal sucht ab sofort den sogenannten Bergschreiber 2010. Dieser soll in nur 10 Tagen (10. bis 20. Dezember 2010) seine eigenen Eindrücke auf Blog und Facebook-Seite veröffentlichen. Er erhält dafür ein einmaliges Honorar von 3000 Euro, muss aber auch seine Veröffentlichungen in einem Buch zusammenfassen, das es dann sicher für günstige 29,90 Euro in jedem Souvenirladen im Zillertal zu kaufen gibt. Vom Erlös des Buches erhält der Bergschreiber stolze 5 Prozent! Wenn das mal nicht ein absolut beeindruckendes Angebot ist, weiß ich auch nicht. (Vorsicht – Ironie!)

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Sanitäranlagen im Zilltertal - auch fotografiert von einem Blogger...

Mal ganz ehrlich: Der eigentliche Sinn des Bloggens ist doch, eine kritische und vor allem ehrliche Meinung abzugeben und nicht irgendwas zu veröffentlichen, dass durch den Zensur-Filter eines Unternehmens geht. Meint ihr sicher, der „Bergschreiber“ zeigt uns die gleichen Bilder von der Skihütte im Hochzillertal, die ich euch im letzten Winter präsentiert habe? Meint ihr, er berichtet ehrlich über die schlechten Schneeverhältnisse im Zillertal, die dort erfahrungsgemäß oft in der Vorweihnachtszeit herrschen? Ich stehe solchen Marketing-Projekten mit externen Schreibern äußerst kritisch gegenüber und hoffe, dass die Leser die rosarote Brille des Bergscouts, Bergschreibers oder eben Propaganda-Experten ablegen können.

Das beste an dem ganzen Projekt dürfte noch das Werbevideo sein…

Video Bergscout Kleinwalsertal

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=87dMJBwrT0s&feature=player_embedded[/youtube]