„Jodelhadelüdddhhhhhiiii…“

In vielen holländischen Haushalten dürfte es sich derzeit so anhören. Seit kurzem gibt es nämlich im Beneluxstaat ein Gewinnspiel der Tirol Werbung, bei dem der beste Jodler der Nation gesucht wird. Entschieden wird dies von den Usern der Homepage. Der Gewinner erhält einen Urlaub in Mayrhofen im Zillertal inclusive Flug und Skipass und darf sogar noch sechs seiner Freunde mitbringen. Klingt super, nicht wahr?

Angst vor der Wirtschaftskrise

Der Grund für dieses außergewöhnliche Gewinnspiel liegt wohl klar auf der Hand: Dem Tiroler Tourismus steht eine extrem harte Wintersaison bevor. Die Wirtschaftskrise zeigt erst dieses Jahr sein wahres Gesicht und wird so manchen davon abhalten, den Winterurlaub wie gewohnt im Ferienland Tirol machen. Vor allem Gäste mit einer längeren Anreise werden es sich gut überlegen, ob sie in Zeiten von wirtschaftlicher Instabilität sich einen teuren Skiurlaub gönnen. Also heißt es nun, vermehrt die Werbetrommel rühren um wenigsten etwas den Abschwung abzufedern. Aber deswegen gleich jodeln?

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Ich habe mir die Seite mal etwas genauer angeschaut und bin positiv überrascht: Die Aufmachung der Homepage ist sehr anmutend und macht Lust auf mehr. Gleich will man sich einige Jodler aus dem Flachland anhören und klickt gespannt auf Namen wie „Gertje“ oder „Mireille“. Ab und an erinnert der Jodelgesang doch eher an das Abendgebet eines islamischen Mullahs, aber jedem das Seine. Die grundlegende Frage ist aber: Schafft man es durch diese Marketing – Maßnahme Holländer für einen Winterurlaub in Tirol zu begeistern?

Jodelt die Urlauber her!

Josef Margreiter – Chef der Tirol Werbung – ist davon überzeugt, wenngleich er weiß, dass vor allem Großbritannien das Sorgenkind der Wintersaison sein wird. Fünf Prozent der Wintergäste kommen durchschnittlich aus dem Vereinten Königreich und wegen der Pfundschwäche werden deutlich weniger Briten erwartet. Was man für diesen entscheidenden Zielmarkt unternimmt, verrät uns der Tiroler aber nicht. Dies dürfte aber insbesondere Skiorte wie St. Anton interessieren, in denen mehr als doppelt so viele Engländer wie Holländer im Jahr 2008 übernachteten (Statistik Austria).

Aber egal, Jodeln gehört zu Tirol wie die Clogs nach Holland, das steht mal fest. Und vielleicht blätterte die Marketingabteilung der Tirol Werbung auf der Suche nach einer guten Idee durch ein Geschichtsbuch  und fanden darin folgendes:

Einer Schweizer Sage nach verliehen Berggeister die Gabe des Jodelns einem Milchbuben oder einer Magd, die damit die Macht bekamen, das Vieh vor bösen Geistern zu schützen. Im praktischen Gebrauch hielten die Bauern mit dem sonderbaren Gesang das Vieh zusammen und nutzten die mündlich überlieferten Signalrufe, um sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen.

Vielleicht hilft uns diese besondere Gesangstechnik ja tatsächlich über die „bösen Geister“ der Wirtschaftskrise hinweg und sorgt dafür, dass unsere treuen Gäste aus Holland nicht entfliehen. Unserem Land wäre es zu wünschen, denn es wird einige Wölfe geben, die so manches unserer Schäfchen auffressen werden.

Im Übrigen bin ich stark dafür, dass der Sieger des Gewinnspiels während seines Urlaubs im Zillertal das Lied vom „Original Ötztal Trio“ auf einer Bühne live nachsingen muss…“zu Tirol gehört das Jodeln [eben] dazu“.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=hAbGC-Yk878[/youtube]

Hier gehts zur Homepage des Jodel-Wettbewerbs