Katastrophentourismus Tiroler Gletscher

Der Sommer 2011 – was haben wir uns alle darüber beschwert: „Dauernd so kalt, kaum Sonne, kein Tag ohne Regen – was ist das denn für ein beschissener Sommer 2011?“ Und dann kommt er doch noch, und zwar mit aller Kraft. Eine Woche Sonne, eine Woche permanent über 30 Grad. Heiße Tage und tropische Nächte. Fast schon zu viel.

Blick auf den schmelzenden Hintertuxer Gletscher im August 2011

Fast schon zu viel für uns Menschen und viel zu viel für unsere Gletscher. Die leiden in Hitzeperioden wie diesen so richtig. Nach einem schneearmen Winter 2010/11 sind diese Tage Gift für das ewige Eis. Bei Temperaturen über 30 Grad geht es mit den Gletschern den Bach runter – im wahrsten Sinne des Wortes. Schneerücklagen existieren kaum mehr, aus den Nährgebieten werden kilometerlange Zährgebiete, aus strahlend weißen Naturwundern werden dreckige, graue Eisfelder.

Katastrophentourismus in Tirol?

Bei den aktuellen Bildern vom Hintertuxer und Kaunertaler Gletscher lässt sich also die Frage stellen, ob es sich bei einem Besuch der Tiroler Gletscher im Sommer mittlerweile schon um Katastrophentourismus handelt.

Katastrophentourismus ist die Bezeichnung für die Art des Reisens, die das Anschauen einer Katastrophe ohne eine aktive Beteiligung an der Hilfe zum Ziel hat. Auch wenn der Katastrophentourismus von der großen Mehrheit der Gesellschaft kritisch betrachtet wird, gab es in Einzelfällen Reiseveranstalter beziehungsweise Reisebüros, die gezielt und mit „Erfolg“ reine „Schaureisen“ in Katastrophengebiete anboten. Allerdings ist der Katastrophentourismus in den meisten Formen eine Form des Individualtourismus (für Schaulustige) und nicht immer klar vom normalen Tourismus abzugrenzen.

^^ Definition Katastrophentourismus laut Wikipedia

Hintertuxer Gletscher im Sommer 2011

Liftstützen auf dem grauen "ewigen" Eis am Hintertuxer Gletscher

Nein – Sommerfrische!

Nein – auch wenn die Bilder sehr erschreckend wirken, lässt sich ein Besuch der Tiroler Gletscher noch nicht unter dem Phänomen Katastrophentourismus abhandeln. Schließlich handelt es sich beim Gletscherrückgang um einen natürlich Prozess, der sich im Laufe der Geschichte schon öfters abgespielt hat. Allerdings sehen die grauen Liftmasten auf dem noch dunkleren Eis nicht nach purer Natürlichkeit aus. Vielmehr geben sie dem Gletscherschwund ein noch viel traurigeres Gesicht. Es zeigt sich nämlich mal wieder, wie sehr wir alle doch von der Umwelt abhängig sind. Und auch wenn so mancher Touristiker in Tirol sich über die sommerlichen Temperaturen freuen wird, so sehr ärgern sich die Betreiber der Tiroler Gletscher über die derzeitige Situation. Für sie ist es nämlich wirklich eine Katastrophe!

Im Privatleben kann ein Verhängnis subjektiv als Katastrophe empfunden werden, wenn sich das Opfer danach auf völlig veränderte Lebensumstände einstellen muss.

^^ Definition Katastrophe Wikipedia

Bilder Tiroler Gletscher im Sommer 2011

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