Namen in TirolWer wie ich viel Zeit auf Kinderspielplätzen und im Tivoli verbringt (nein, nicht pädophil, sondern selbst Vater!), dem wird wohl auch schon aufgefallen sein, welchen Sprung nach vorne unsere Gesellschaft gemacht hat, wenn es um die Wahl der Namen für Kinder geht. Statt langweiliger Namen wie Josef (alias Seppl, für die coolen: Joe) und Maria ist man auch im Heiligen Land Tirol dazu übergegangen, die Frucht seiner Lenden etwas zeitgemäßer zu taufen.

Von Leonie zu Jennifer

Gefühlt den Anfang machten vor 10 Jahren die Namen Leonie, Lea(h), Lana und Lara. L war groß in Mode bei den Mädls. Diese Namen finde ich modern, jedoch noch durchaus nett und vertretbar für Menschen auf dem Weg durchs Leben. Bei Buben konnte sich der Name Kevin, der in Deutschland Anfang der 90er TOTAL IN war, bei uns vorerst noch nicht durchsetzen. Hier feierten eher Klassiker wie Maximilian und Leo ein Revival.

Nun aber scheinen Eltern jedwegliche Verantwortung über Bord zu schmeißen. Ohne Rücksicht auf Verluste werden die Kinder mit Namen versehen, die ihnen im späteren Leben, sobald der Hype rund um Justin Bieber und Jenny Lopez abgeklungen ist, wohl eher mitleidige Grinser einbringt als anerkennende Lobesworte der Art: „Meine Mom war auch die totale Fanette von Justin Bieber als sie mich mit 16 in die Welt gesetzt hat, aber sie hat sich nicht getraut für ihren Star einzustehen und mir einen so wohlklingenden Namen zu geben.“

English meets Tirolerisch

Die Tiroler Sprache ist ganz einfach noch nicht reif für gewisse Lautkombinationen. Vor allem bei den Namen von 3-6jährigen Kindern ist manchmal fremdschämen angesagt, wenn die coole Mom mit dem Tschick in der Schnauze ein kleines Wesen mit 15 Kilo anmotzt: „Tschaqchlien, kchimm her do, sonsch tuschts wenn nit glei aus dem Dreckchloch von Sondkchischtn aussageasch….“ Erfahrungsgemäß tendieren vor allem wenig höfliche Eltern mit spartanisch-rüden Erziehungspraktiken dazu, ihren Kindern Namen dieser Art zu geben. Wahrscheinlich soll der Name die tägliche Drohung nochmals unterstreichen.

Man kann übrigens vom Namen der Kinder sehr häufig auf das Aussehen der Mütter schließen, auch wenn man diese nur schimpfen hört, nicht aber sieht. Die typische Zielgruppe für Namen, die die englische Sprache mit Tiroler Krächzern verbindet, ist >100 Kilo schwer, ganzkörpertätowiert, schwerer Raucher und trägt hautenge, schwarze Leggins. (Merke: bei dieser Beschreibung handelt es sich um eine subjektive Meinung des Autors, die in einer überzogenen Darstellung gipfelt streng nach eigenen Erfahrungswerten.)

Meine Top 5 Neo-Namen:
Justin
Jaqueline
Jennifer
Kevin
Luke

Übrigens: es ist erwiesen, dass der Name bei der Jobsuche eine wichtige Rolle spielt. Ein Test von Psychologiestudenten in Innsbruck ergab, dass es Erwachsene mit Namen wie Kevin wesentlich schwerer haben, im Berufsleben Fuß zu fassen. Viele Personalverantwortliche sind unterbewusst negativ eingestellt, sobald sie den Namen Kevin hören. Es könnte also maximal die Strategie von Eltern sein, die Johnny Cash in seinem Song A Boy named Sue vorschlägt: härtet eure Kinder von vornherein ab indem ihr ihnen von klein auf ihr Leben über den Namen schwer macht! Enjoy!