Die Innschwimmer – Die Tiroler Geschichte


Was bisher geschah

„Gott zum Gruß, liebe Frau Untermutschlechner!“ Hochwürdens Stimme dröhnte fröhlich.
„Ihnen auch einen Gruß zum Gott, ääh einen Gott zum Gruß, Herr Hohe Würde.“ Frau Untermutschlechners Deutsch war vom Schwung und von der Eleganz der italienischen Sprache durchaus befruchtet.
„Aber für Ihnen mi ciamo Maria, Herr Pfarrer!“
„Ach ja, meine Tochter. Das hatte ich schon ganz vergessen. Hab vielen Dank.“
„Was kann ich für Ihnen tun? Wie gehte es Ihnen?“
„Einiges kannst du für mich tun, du lüsterne walsche Schlampe“, dachte sich Hochwürden, sagte aber mit christlicher Nächstenliebe in der Stimme: „Ich denke, wir sollten uns wieder einmal sprechen, meine Liebe. Es geht darum, dass wir unsere gute Sache nun endlich weiterführen und zu einem guten Ende bringen sollten. Und dein Mann, der gute Mutschi hat sicher auch großes Interesse daran, Es geht ja schließlich um das Wohl der Heiligen Mutter Kirche und etlicher ihrer Schäfchen.“ „Und ihrer Schweinchen“, aber das blieb natürlich auch im Reich der frommen priesterlichen Gedanken verborgen.
„Aber claro! Ich würde Ihn, aah Ihnen auch wieder gerne einmal zu Gesicht sehen!“ Maria freute sich und Hochwürden wurde bei dem Gedanken, dass „Sie“ „Ihn“ zu Gesicht bekommen wollte, ganz heiß um denselben.
„Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie nächste Woche zu mir nach St. Nikolaus kommen könnten.“
„Aber mit überaus gerne, Herr Padre! Nur ist meine Mann gerade auf einem Reisegeschäft in den näheren Osten und kommt in drei oder so Wochen. Zurück. Danne kommen wir Ihnen gleich zu besuchen und machen nageln mit Köpfe, wie Sie immer sagen!“
Hochwürden brauchte nun rasch eine kalte Dusche, um das kopflastige Nageln mit der heiligen Maria halbwegs aus seinem mittlerweile knallroten Bluzer zu bekommen.
„Gut, meine Tochter. Dann grüß mir deinen Mann recht herzlich und lass es dir gut gehen. Gott segne dich!“
„Et cum corpore spirito tuo“ Maria senkte fromm das Haupt, als sie das Telefon auf den Tisch legte. Sie drückte ihr Gesicht fest in ihre kalten Hände und verharrte einige Minuten regungslos. Als sie schließlich aufblickte, spielte ein diabolisches Lächeln um ihre Lippen. Um die Lippen Marias, die nun nicht mehr Maria Untermutschlechner, sondern wieder Francesca war. Sie stand rasch auf, ging ins Schlafzimmer und entschied sich nach kurzem Blick in ihren Kleiderschrank für das indigoblaue knöchellange Gewand mit den neongrünen Tupfen, dass ihr ihre Haushälterin nach einem eigenen Entwurf geschneidert hatte. Es war wohl das einzige Damenkleid der Welt, dass neben einer eingenähten Rasierklinge im Saum und einem Mikrofon und einer Minikamera in der breiten Bordüre noch Platz für einen kleinkalibrigen Revolver bot. Und für eine ganze Batterie Präservative.

Francesca hatte an alles gedacht. Und dennoch einen Fehler begangen.