Kitzbühel und die Sucht des Marketings

Können Sie sich noch an die ergiebigen Schneefälle im Oktober erinnern? Das weiße Gold fiel bis in die Tallagen und sorgte für überschwängliche Euphorie bei den Tiroler Skigebieten. Einige ließen sich sogar darauf ein, die Skilifte aufzusperren und verkündeten waghalsige Pläne. Ganz weit vorne im Marketing-Chor: Die Bergbahnen von Kitzbühel…

Wir haben Mitte Oktober und es schneit bis ins Tal. Ich sitze in meiner Wohnung in Innsbruck und sehe, wie die Schneefallgrenze immer tiefer sinkt. Das hat schon was, wenn es nach 6 Monaten mal wieder Schnee zu sehen gibt. Um den 20. Oktober 2009 ist ganz Tirol tief eingeschneit und alles erinnert an tiefsten Winter. Skifahrern schießen Bilder von Traumabfahrten im Pulverschnee in den Kopf und bei den Verantwortlichen der Tiroler Skigebiete kann man das Dollarzeichen in den Augen ablesen.

Skigebiet Kitzbühel: Frühester Winterstart aller Zeiten

„Wäre doch gelacht, wenn wir es schaffen würden, all diese süchtigen Skifahrer ordentlich zahlen zu lassen und schon im Oktober – so früh wie noch nie – die Pisten zu öffnen.“ So oder so ähnlich dürften die Gedankengänge von Christoph Hirnschall – Chef der Bergbahn AG Kitzbühel – gewesen sein, als er sich dazu entschied, das Skigebiet Kitzbühel am 24.10.2009 für den Publikumsverkehr zu öffnen. Klar handelte es sich dabei lediglich um einen Lift mit einer zwei Kilometer langen Abfahrt am Resterkogel, aber wieso sollen die Leute nicht bereit sein, dafür 29,50€ auszugeben?

kitzbuehel-schneemangel

Die Rechnung ging auf, und es tummelten sich zahlreiche Skifahrer an dem Oktoberwochenende rund um Pass Thurn. Die Tiroler Tageszeitung veröffentlichte natürlich einen Bericht und posaunte das frühe Saisonopening in Kitzbühl in die weite Welt hinaus. Hochfügen im Zillertal folgte dem „Vorbild“ Kitzbühel und öffnete an diesem Wochenende auch die Lifte. Immerhin gab es dort mehr Pistenkilometer.

christoph_Hirnschall

Natürlich war die Tirol Werbung in Kitzbühel vorrort und filmte glückliche Skifahrer am Resterkogel. Das ganze wird dann im sogenannten  „Tirol Schneereport“ zusammengeschnitten und soll die Urlauber aus Nah und Fern möglichst bald in die heimischen Skigebiete ziehen. Zu sehen ist auch Christoph Hirnschall, wie er frohlockend verkündet, dass es der früheste Saisonstart aller Zeiten sei und man auch an Allerheiligen das Skiangebot aufrecht erhalten wolle. Damit nicht genug, er lehnte sich noch weiter aus dem Fenster: „Wir werden aber dann auch ab 14. November den kleinen Skizirkus über Fleckalmbahn, Kirchberg anbieten.“ Mutig, mutig, wenn das nicht gute Aussichten sind?!

Leere Versprechungen

Wir haben Freitag, den 13. November 2009. Für das Wochenende sind in Innsbruck Temperaturen um die 17 Grad vorhergesagt, aber ich denke mir: „Egal, ein so renommiertes Skigebiet wie Kitzbühel wird doch wohl sein Wort halten, oder?“ Voller Vorfreude auf den „kleinen Skizirkus“ blicke ich auf die Homepage der Bergbahnen Kitzbühel:

Auch am kommenden Wochenende, Samstag, 14. November und Sonntag, 15. November 2009 wird die Panoramabahn Kitzbüheler Alpen – ab Mittelstation Breitmoos (Sektion II) und der 4er-Sessellift Resterhöhe in Betrieb genommen. (Piste Nr. 71 Resterkogel geöffnet).

Preise:
Erwachsene: EUR 29,50

Noch immer sind nur diese lächerlichen 2 Pistenkilometer geöffnet, für den sagenhaften Preis von 29,50€ geöffnet? Nein danke! Da begeb ich mich dann doch lieber in zwei Wochen zum Skiopening nach Ischgl, und schau Katy Perry dort bei ihrer Modenshow zu…

Oder geh ich doch nach Kitzbühel und filme meinen eigenen Tirol Schneereport? Der sieht dann aber womöglich so aus, und ob das der Tirol Werbung auch so gut gefällt, weiß ich nicht…

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=R-VmYakPORA[/youtube]