Die Anzeichen für eine Insolvenz der Tiroler Skifirma Kneissl verdichten sich. Wie konnte es soweit kommen? Ist der Scheich Schuld?

kneissl-skiverleihWir haben November, der erste Schnee ist bereits gefallen, der Weltcup in Sölden bereits gelaufen und bald starten die Skigebiete in die Wintersaison. Die Lust auf Winter ist da – und damit auch das Dollarzeichen bei den Skifirmen. Ein neuer Ski muss her – und der wird erfahrungsgemäß pünktlich zur neuen Skisaison gekauft. Bei Intersport, Hervis und Co. stehen sie bereits bereit, die neuen Atomic, Head, Fischer, K2 und wie sie halt alle heißen. Die Tiroler Skimarke Kneissl findet sich jedoch nur sehr selten unter den neuen Modellen – und wenn dann nur zwei bis drei Paar, die dann noch eher im hochpreisigen Segment angesiedelt sind. Ein Ladenhüter?

Kneissl – wer wir sind:

Auf der Firmenhomepage findet sich die Philosophie von Kneissl:

Konsequent und unbeirrbar gehen wir neue Wege, um für diese Passion Produkte zu entwickeln, unermüdlich besser zu machen und vor allem anders zu machen als gewohnt. Auf diese Art leisten wir unseren Beitrag für eine Gemeinschaft von Querdenkern, Enthusiasten und Individualisten – eine Alternative zum „Mainstream“ in der Sportartikelindustrie.
Wir sind überzeugt, dass Holz lebendiger ist als Polyurethan (PU) und ziehen Kaschmir der Synthetik vor – wer will schon Plastik? Natürliche Materialien sind höchst funktionell und begeistern uns mit ihren Eigenschaften ständig aufs Neue. Darum bauen wir ausschließlich Skier mit Holzkern im Sandwichverfahren und verwenden in unserer Bekleidung soviel Naturmaterialien wie zur Leistungssteigerung der Produkte möglich. Sie vermitteln auch nach ihrer Verarbeitung ein Stück vom Leben und ihrer Herkunft.

Zitat: Philosophie Kneissl, Quelle: Kneissl Homepage

Kneissl will also anders sein als der „Mainstream“ – eine Skifirma in der Nische also, qualitativ hochwertige Ski mit Holzkernbauweise für den sportlichen Skifahrer. Das klappt natürlich nur, wenn dein Produkt auch hält was, es verspricht und ein entsprechender Markt dafür vorhanden ist. Und genau da liegt das Problem: Wer legt schon wert auf einen Ski mit Holzkern? Du etwa? Ich kenn jedenfalls wenige…

Ganz Österreich fährt Kneissl

Big-Foot-KneisslKneissl blickt mittlerweile auf eine sehr lange Geschichte zurück. Rund um 1920 baut Franz Kneissl I den ersten Ski in Serie. Von da an geht es steil Berg auf. In der „ersten österreichischen Skifabrik“ baut man den ersten laminierten Ski in Schichtenbauweise, Anfang der 50er Jahre fährt das gesamte österreichische Skiteam Kneissl, 1974 erzeugt man zusammen mit der Sportmodefirma „Sportalm“ Kitzbühel erste mit Kneissl gebrandete Skikleidung. Der letzte große Wurf gelang Kneissl mit der Erfindung der sogenannten „Big Foot“ Kurzski, die vor allem bei Kindern sehr beliebt waren.

Und dann? Ja dann gings bergab. Der Tod von Franz Kneissl II, falsche Kooperationen mit Marken wie Raichle und Dynafit und mangelnde konkurrenzfähige Produkte  brachten die Traditionsfirma zur Jahrtausendwende schon in Schwierigkeiten.

Was will ein Scheich mit einem Ski?

2008 eilte ein Scheich namens Mohamed Bin Issa Al Jaber herbei und rettete den angeschlagene Skifirma Kneissl Tirol GmbH mit einer 60 prozentigen Übernahme. Der in Saudi Arabien gebürtige Geschäftsmann hat im Jahr 2006 die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen, ist vor allem im Wiener Immobilienbereich tätig und finanziert unter anderem 65 saudischen Studenten ein Studium in der mitfinanzierten Wiener Priavatuni Modul University Vienna. Ob seine Liebe zu Österreich oder doch eher sein Geschäftssinn für die Beteiligung bei Kneissl verantwortlich sind ist nicht bekannt, was aber feststeht ist, dass der Relaunch der Marke Kneissl mehr oder weniger fehlgeschlagen ist. Der Plan, mithilfe Kneissl Hotels und Kneissl Star Lounges dem Traditionsunternehmen neues Leben einzuhauchen ist nicht wirklich realisiert worden. Die einzige umgesetzte Kneissl Star Lounge befindet sich in Innsbruck in bester Lage und fristet seit dem ein fragwürdiges Dasein. Skier kaufen und dabei Prosecco schlürfen – dazu ist der durchschnittliche sportliche Tiroler eben doch nicht bereit.

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15 Millionen Euro Schulden

Kneissl SkiEnde 2010 steht die Skifirma Kneissl schlechter da als je zuvor. 15 Millionen Schulden haben sich angehäuft, Sponsorgelder für Wacker Innsbruck wurden nicht bezahlt und ein erster Exekutionsantrag ist eingetroffen. Die Situation ist brenzlig, Geschäftsführer Andreas Gebauer braucht Geld, die Insolvenz klopft praktisch an der Tür. Und eines ist klar: Lässt der Scheich nicht nochmal Geld springen, ist es das gewesen, mit dem Stern aus Tirol.

Vielleicht hätte man sich in Kufstein einfach mehr an den eigenen Leitspruch halten sollen.  Möglicherweise fängt Kneissl dann endlich wieder an, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren: Gute Ski zu produzieren.

In dem Augenblick, in dem man tut, was man schon immer tun wollte, beginnt ein neues Leben.