Es ist die heißeste Sommerwoche des Jahres – was also tun um der anrollenden Hitzewelle mit eventuellen Wärmegewittern in Tirol zu entfliehen? Ja klar, wieso nicht ein Kurzurlaub am Gardasee – dem Lieblingsziel aller derjenigen, die ein bisschen Italien wollen, aber eben doch nicht wirklich so weit fahren wollen.

Innsbruck – Gardasee – gute 2 Stunden!

Es ist ja auch wirklich verlockend: Von Innsbruck bis zum Gardasee sind es gerade mal 220 – 250 Kilometer, je nachdem wo man sich denn genau niederlassen will. Für mich kommt eigentlich immer nur die Ecke rund um Garda und Bardolino in Frage, weil ich mich dort nicht eingeengt fühle zwischen Bundesstraße und Felswand und bereits genügend italienisch gesprochen wird.

Vorbildlich angebrachter Feuerlöscher...

Vorbildlich angebrachter Feuerlöscher...

So fahre ich also auf grade Wohl Richtung Bardolino, im Gepäck dabei ein billiges und wirklich nicht wasserdichtes Zelt vom Hervis…bei 30 Euro kann man nicht zu viel verlangen. Der erste Campingplatz wird angesteuert, „Camping La Rocca“. Ein typischer kurzhaariger, kleiner Italiener erwartet mich in der Anmeldung: „Buongiorno, haben viel Platz, gehen durch Campingplatz und suchen sich Platz, viel Spaß!“ Na dann…schaun wir mal.

Also wandere ich das erste Mal über den Campingplatz. Der Anblick der Dauercamper ist prächtig: Vor vielen komplett eingerichteten Kleingärten sitzen vor ihrem Wohnwägen oft ältere Ehepaare, meistens in zu knapper Badekleidung, meistens dick, meistens sogar richtig eklig. Ein Wohnwagen gefällt mir besonders: Um den kompletten Stellplatz ist eine Leine gespannt, an derer zig kleine holländische Fahnen hängen. Der Besitzer sitzt gemütlich auf seinem Liegestuhl, liest irgendeine mir nicht bekannte holländische Zeitung und neben ihm am Boden liegt ein flauschiges weißes etwas, das sich wahrscheinlich Hund nennt. Willkommen im Camper-Leben!

Tiere und Hitze – Zelten kann so schön sein…

Sogar im Essen sind Steine...

Sogar im Essen sind Steine...

Nach einiger Zeit finde ich meinen „Stellplatz“. Ich nehme die günstigste Kategorie, 13,90 Euro pro Tag, weit weg von anderen fetten Wohnwägen, nahe an der Bundesstraße. In der ersten Nacht ist nicht der Lärm der Straße das größte Problem, vielmehr sind es die lauten Zirben, die in den Olivenbäumen sitzen und scheinbar nichts anderes zu tun haben, als die ganze Nacht ihre Balzgeräusche abzugeben. Dazu kommt noch der steinige Untergrund und die angenehme Hitze in der Nacht, die deinen Körper so wunderbar schnell mit der eigenen Isomatte verschmelzen – verkleben lassen. Schon gemütlich, so eine Übernachtung im Zelt.
Die anderen Nächte ist es nicht viel anders, aber ich passe mich an die Umstände an: Das Allheilmittel gegen die drohende Schlaflosigkeit ist, sich beim Abendessen genügend Vino Rosso einzuflösen, da merkt man die kantigen Steine nicht so sehr und schläft trotz Ameisen im Zelt und Spinne auf dem Bauch zufrieden ein.

Warum fahren wir an den Gardasee?

Genau das ist es...

Genau das ist es...

Was hat also der Gardasee, dass man trotz der vielen Leute und der teilweise bescheidenen Nächtigungssituation immer wieder hinfährt? Für mich ist es, das Gefühl, wie am Meer zu sein, gepaart mit dem einzigartigen italienischen Flair. Die engen Straßen der Altstädte, die schön hergerichteten Häuser und kleinen Boutiquen, das gute Essen und der Vino Rosso. Einfach das italienische Lebensgefühl, das Lockere, die schönen Italienerinnen…hach ja, es war schon schön!

Als ich gestern nach Tirol zurückfahre, sehe ich schon vom Brenner aus die tiefschwarzen Gewitterwolken über Innsbruck. Bei Regen packe ich meine Sachen aus, die Regentropfen fallen auf meine braungebrannte Haut und ich habe das Gefühl, dass sie auf der Haut verdampfen. Ich betrete meine Wohnung und sehe als erstes mein weiches Bett. Oh ja, ein Bett! Darauf freue ich mich wirklich! Ich lege mich sofort hinein, herrlich weich ist es, kein Stein der sich in deinen Rücken bohrt. Ich schlafe sofort ein…als ich wieder aufwache, krabbelt eine Ameise über meinen Arm. Wie schön, wieder hier zu sein! 🙂