Auf tragische Weise hat der vergangene Donnerstag bewiesen, dass die Lawinen-„Saison“ noch nicht vorbei ist. In der Marchreisenrinne in der Axamer Lizum war ein 60-Jähriger ums Leben gekommen. Das Glück, das die „Wilde Sau vom Saupanzen“ gehabt hatte, war dem Mann nicht beschieden. Auch er hatte seinen Lawinenpieps nicht angeschaltet, überlebte das Unglück im Gegensatz zu dem Unterländer, über den wir vor einigen Monaten berichtet haben, aber nicht.

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Bergretter suchen nach dem verschütteten Franzosen auf der Nordkette; Bild: WoPic

Wenig Schnee, viele Tote

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Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst; Bild: WoPic

Bislang sind in der heurigen Saison 15 Menschen bei Lawinenabgängen in Tirol ums Leben gekommen. Zwei weitere Personen werden noch vermisst. Auch für sie besteht in Wahrheit keine Hoffnung mehr. Insgesamt gab es beinahe 180 gemeldete Unfälle mit Personenbeteiligung. Für Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst Tirol ist der Winter 2009/10 damit „etwas überdurchschnittlich“, was die Anzahl der Toten betrifft (2008/09 waren es 22 Tote, im Jahr davor 13). Auch die Erklärung dafür ist in diesem Winter nicht allzu schwer zu finden. Nairz: „Es hat wenig Schnee gegeben. Und der Aufbau der Schneedecke war beinahe durchwegs schlecht.“ Dass nicht noch mehr passiert ist, ist erstaunlich, waren an den Lawinenereignissen doch insgesamt an die 400 (!) Personen beteiligt.

Auch heuer wieder erlebten Bergretter ihre blauen Wunder. Wie bereits erwähnt, überlebte ein Unterländer am Saupanzen im Alpbachtal beinahe eine Stunde in den Schneemassen. Er war ohne Lawinenpieps unterwegs. Trotz perfekter Ausrüstung hatte hingegen ein französischer Student auf der Nordkette oberhalb von Innsbruck keine Chance. Der junge Mann wurde durch die Wucht der Lawine praktisch ausgezogen. Den Rucksack mit Lawinenairbag und seinen Pieps fanden die Bergretter lange vor dem Toten. Den konnten sie erst nach drei Tagen gefährlicher Suche bergen. Beiden Männern war freilich eines gemein: Sie fällten die Entscheidung, zur falschen Zeit in den falschen Hang einzufahren.

Wie gesagt, ist noch immer Lawinen-Zeit. Ein Blick auf www.lawine.at lohnt sich!

Titelbild: WoPic