Letzte Gedanken zur Wahl

Stell dir vor, du möchtest ein Mädl rumkriegen. Oder einen Burschen, wir wollen ja politisch korrekt bleiben. Wahrscheinlich wirst du dich um sie/ihn (OK, das war das letzte Mal, ab jetzt bleibts beim realistischen Mann-will-Frau Spiel) bemühen, Blumen bringen, dich frisch rasieren und auf Anrufe, SMS und Emails antworten. Und nicht beim ersten Date furzen, rülpsen, fluchen und garstig sein. Auch wenn du vielleicht der Typ dazu bist, du weisst man tut es nicht, weil die Chancen sonst gering sind von der Herzdame den Zuschlag zu erhalten. Das Herausputzen über Gebühr ist zwar ein wenig verlogen und übertrieben, aber so sind nun mal die Spielregeln.

Dem Wähler auf den Kopf furzen

 
In der Parteienlandschaft Tirols ist das nicht der Fall. Wir haben den Parteien vor einigen Wochen angeboten, dass sie am Tirolblog ihr Wahlkampfprogramm kostenfrei und unentgeltlich vorstellen können. Von 11 Gruppen sind dem Aufruf lediglich 4 (!) nachgekommen. Liste Fritz, SPÖ, ÖVP und die Tiroler Grünen haben sich den Fragen gestellt. Der Rest will scheinbar keine Stimmen. Das nennt man wohl sein Klientel verarschen. Im Dating Dschungel würden also 7 von 11 Tiroler Parteien unberührt allein ins Bett gehen.

Lasst es mich mal so ausdrücken: während 4 von 11 sich also um den Wähler zumindest im Mindestmaß kümmern, scheissen sich 7 von 11 gar nix. Die Frage sei erlaubt: sind diese 7 Parteien…

A) zu faul um was zu schreiben
B) zu dumm um Mails zu lesen
C) nicht interessiert ihr Programm vorzustellen
D) nicht in der Lage ihr Programm vorzustellen weil sie keines haben
E) abgehoben genug dass ihnen der Wähler am Arsch vorbeigeht
 

Und sonst? Teilweise ganz schlimm…

Wer dachte, dass der olle Penz mit seinem Plakat bei den letzten Kommunalwahlen mit den Heimatdieben statt Marokkanerdieben das Maximum an Blödheit erreicht hat, der hat sich ordentlich getäuscht. Die FPÖ ließ es mit ihrem Rudi nochmals ordentlich krachen, siehe hier. Die Volkspartei verkleidete ihren Günther Platter als Bestatter (siehe hier) und ließ ausrichten, sollte sich der Wähler nicht für sie entscheiden, wird das Land in italienisch anmutendes Chaos verfallen. Ganz nebenbei schaffte man es mit dem geschmacklosen Plakat auf dem Berlusconi einen Fiat gegen die Wand setzt, einen Skandal anzuzetteln. (Siehe hier und hier.) Sauber, das stellt viel in den Schatten, da werden sogar Dinge wie der Switakskandal nochmals locker getoppt.

Die anderen Parteien geben sich zu einem großen Teil recht zahnlos und durchaus aussagefrei. Die SPÖ will miteinander. Irgendjemand ist Mutig, für dich, Tirol. Die KPÖ ist rrrrrroter als rrrrrrot. Der Fritz ruft per Video zum Fremdgehen auf (siehe hier). Die Grünen sind lieb und beschützen Seilschaften bekämpfend Tiroler Adler, zeigen aber zumindest ab und an Humor (siehe hier). Fränckkk will Transparenz. Welche von seinen Listen man warum wählen soll und wer kandidiert weiss man bis heute nicht so genau. Aber eh Wurscht. Und wenn ich die Zoller-Frischauf mit dem Plakat „Die Kraft für Wirtschaft und Familie“ sehe, kommt mir das Speiben (´Tschuldigung).

Was also können wir uns vom Sonntag erwarten?

Nun ja, zum ersten werden hoffentlich die unglaublich nervigen Plakate nach und nach Verschwinden. Vielleicht will man uns ja ausnahmsweise nicht mit neuen Plakaten danken, sondern damit, dass man das Gruselkabinett der Nichtigkeiten gleich entfernt. Das ist schon mal gut. Erdrutschsieg für die ÖVP wird es wohl auch keinen geben. Außer man zählt alle bürgerlichen Splitterparteien zusammen und sieht das ganze nicht als großen Scherbenhaufen. Ich befürchte aber auch, dass SPÖ und Grüne nicht genug Aufmerksamkeit und Wirbel erzeugt haben um die Wähler aufzurütteln. Die einen sind in der Koalition gefangen, die anderen zu „nett“. Einige der sinnlosen, neuen Parteien, 11 sind definitiv mehr als genug, wir wollen ja keine Poster als Wahlzettel in den Kabinen, werden sich hoffentlich direttissima wieder in Wohlgefallen auflösen. Ob sich mit dem Sonntag allerdings grob was ändert, bleibt zu bezweifeln. Gespannt darf man auf die Wahlbeteiligung sein.

Und wen wählt der Tirolblogger?

Ich persönlich hoffe, dass die ÖVP, die in der Blockadehaltung bei Themen wie den Agrargemeinschaften, Liftausbau in Kategorie-B-Skigebieten oder dem Tierschutz konträr zu ALLEN anderen Parteien und ebenso konträr zur Haltung des allergrößten Teils der Bevölkerung steht, nochmals eine ordentliche Abfuhr erhält. Die FPÖ halte ich in diesem Zusammenhang nicht für erwähnenswert. Wen ich wähle? Ich schwanke noch zwischen absoluter Protestwahl fernab der schwarzen Splitterparteien, einer Stimme für die Grünen und dem Votum für die SPÖ, da Thomas Pupp auf seiner Facebook Seite zwar keine Kommentare beantwortet, aber viele wichtige Themen konkret anspricht.

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