Nach der Wahl ist vor der Wahl

Wir hätten uns das ganze Affentheater sparen können. ÖVP, Grüne und SPÖ sind mehr oder weniger am Stand getreten, die Fritze ohne Fritz hat der Wind verweht, der andere Fritz ist untergegangen. Tirol hat sich gegen eine Veränderung und für den Status Quo ausgesprochen. Ist ja tatsächlich nicht alles schlecht was so passiert in unserem schönen Land. Gerade aber mal ein bisschen mehr Wechselwilligkeit hätte ich mir nach all den Skandalen trotzdem erwartet. 40%, also 4 von 10 mündigen Bürgern haben wieder das Hakerl bei der ÖVP gemacht. Diejenigen, die nicht wählen gegangen sind, bezeichne ich einfach mal nicht als mündige Bürger.

Ist es etwa so, dass die Wähler und Wählerinnen in Tirol wie die Lemminge zur Urne schreiten und wie halt immer so das Kreuzl bei der ÖVP machen? „Hat der Opa so gemacht, und der Papa, und ich mach es eben auch so. Wir wollen ja schließlich übermorgen nicht italienisch reden müssen wie es uns der Platter prophezeit.“ Oder gehen einfach die Jungen, die potentiell die ÖVP nicht wählen würden, einfach nicht so zur Wahl wie der „routinierte Staatsbürger“. Denkt der Wähler nicht nach, wofür eine Partei einsteht?

Übersetzt bedeutet das Wahlergebnis nichts anderes als…

…40% der Tiroler/innen finden, dass die Agrargemeinschaften genauso weitermachen sollten wie bisher.
…40% der Tiroler/innen finden dass es keinen 1500 € Mindestlohn braucht
…40% der Tiroler/innen finden dass Energieunabhängigkeit zu den wichtigsten Agenden in den kommenden 5 Jahren gehört.
…40% der Tiroler/innen finden es nicht schlimm dass eine Partei mehr oder minder im Wochentakt für Skandale und Peinlichkeiten sorgt.
…40% der Tiroler/innen finden es nicht bedenklich dass dem Tourismus und der Wirtschaft im Zweifelsfall alles untergeordnet wird.

Fazit: nicht alles schlecht, aber…

Wie gesagt, es ist nicht alles schlecht was uns die Volkspartei so einbrockt. Es geht uns gut in Tirol, interessant wäre es aber ob es uns ohne diese Regierung schlechter ginge. Allzu oft wird der Bürger von den Schwarzen oft für einen Volltrottel gehalten. Was mir neben den ewigen Seilschaften, die unter einer anderen Farbe in der Regierung dieser Dauer wie die ÖVP sie in Tirol aufrechterhalten kann, sauer aufstößt, sind Sätze wie „Leistung muss sich lohnen“! So gelesen hier. Genau die ÖVP selbst ist aber die Partei, die möglichst jeden dort halten wollen wo er ihrer Meinung nach hingehört. Arbeit wird dank der ÖVP doppelt so hoch besteuert wie Kapitalertrag. Erbschaftssteuern und Vermögenssteuern werden kategorisch abgelehnt. Innerhalb der EU machen wir uns unter einer schwarzen Finanzministerin mit dem Bankengeheimnis lächerlich. Dazu kommen Kleinigkeiten wie der Ruf nach Studiengebühren.

Schlagwörter: ,