Was machen Tourismusregionen um neue Zielgruppen anzusprechen? Sie präsentieren ein innovatives Produkt, führen ein großes Event durch oder veröffentlichen einen neuen Imagekatalog. Die Olympiaregion Seefeld hat sich für letzteres entschieden und ist dabei meilenweit von der Realität entfernt.

Die Olympiaregion Seefeld , eine alteingesessenen Tourismusregion in Tirol, ist auf der Suche nach einer neuen Zielgruppe. Das suggeriert zumindest der neue Image-Katalog der Region, der seit kurzem der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Zu sehen sind seitenfüllende Hochglanzfotos von Models in der Naturlandschaft: Im Winterprospekt lehnt eine junge, topgestylte Frau in sündhaft teurer Designerkleidung an einem geparkten Porsche. Im Sommerprospekt steht eine selbstbewusste Dame in schwarzem Abendkleid und High Heels auf dem Golfplatz und blickt zielstrebig in die Ferne.

seefeld-image2

Sicherlich werden in solche Imagekatalogen immer die schönsten Fotos verwendet, die in gewisser Weise den Idealurlaub in der Tourismusregion darstellen sollen. Sie sollen Träume und Emotionen im Kunden generieren und ihm Lust auf Urlaub machen. Was aber, wenn Image-Katalog und Realität gänzlich verschieden sind? Was wenn der Gast in keinster Form das wiederfindet, mit was die Region wirbt?

Seefeld – und der Rest der Olympiaregion?

Sicher, auf der einen Seite bietet die Olympiaregion Seefeld hochrangige Hotels, ein riesiges Angebot an Loipen und eine tolle Naturlandschaft. In Seefeld finden Konzerte und Veranstaltungen statt, man verfügt über ein großes Hallenbad und ein Casino. Aber sonst? Gäste finden im Winter zwei Skigebiete vor, die nur über einen alten ungemütlichen Skibus miteinander verbunden sind. Seit Jahren schaffen die beiden Liftbetreiber es nicht, einen einfachen gemeinsamen Skipass auf die Beine zu stellen. Kleinere Orte wie Scharnitz oder Reith sind nichts weiter als Durchgangsorte und können keine adäquate Infrastruktur bieten. Mösern und Leutasch liegen zwar idyllisch, haben aber dafür kaum etwas mit dem Glamour und Flair, der in Seefeld herrschen soll, gemeinsam. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich die angesprochene, wohlhabende Zielgruppe in einer solchen Destination wohlfühlt.

seefeld-image

Selbst schon als Gast in der Olympiaregion Seefeld unterwegs habe ich zu keiner Zeit Menschen getroffen, die sich in irgendeiner Form mit den abgebildeten Personen in Verbindung bringen lassen. Im Winter macht man das Hauptgeschäft mit ambitionierten Langläufern sowie pensionierten Winterwanderern. Im Sommer geistern ein paar Naturfreunde und sonstige ältere Herrschaften durch den Ort. Eine junge dynamische Dame mit Bogner-Ski habe ich dort noch nie gesehen.

Was will man mit dieser Neugestaltung erreichen? Möchte man Lifestyle Orten wie Lech am Arlberg oder Kitzbühel Konkurrenz machen? Wenn ja, dann sollte man zunächst die passenden Rahmenbedingungen schaffen und ein entsprechendes Angebot bieten, bevor man Bogner-Anorak-Träger und Natur-Traumtänzer für sich gewinnen kann. Mit Orten wie Scharnitz, in dem viele Häuser leer stehen, und Konzerten von Schlager Gruppen wie das „Alpen-Trio“ werden wir die herbeigesehnte Zielgruppe in der Olympiaregion nie finden.

Schaut euch die neuen Kataloge an und macht euch selbst ein Bild davon. Mich würde interessieren, was ihr davon haltet?

Imagekatalog Olympiaregion Seefeld – Winter
Imagekatalog Olympiaregion Seefeld – Sommer