Nachdem ich am Dienstag versucht habe, einen ganz normalen Skitag aus der Sicht der Urlauberin Anna zu beschreiben um damit für die viel gestressten Dienstleister eine Lanze zu brechen, widme ich mich nun meinen eigenen Erfahrungen zum Thema Saisonschluss im Skigebiet:

Als begeisterter Skifahrer schenkt man zwei Augenblicken in der Saison besondere Aufmerksamkeit: Zum einen ist das der Tag, an dem man nach einem halben Jahr Pause endlich wieder skifahren darf – dem sogenannten Skiopening – zum anderen ist das der Moment, an dem man zum letzten Mal für längere Zeit auf den Brettern steht: Das Skiclosing. Beide Tage könnten unterschiedlicher nicht sein:

Skiopening – die Jagd auf den Schnee

saisonopeningSobald der Stubaier Gletscher oder eines der anderen Gletscherskigebiete den Betrieb für die Skifahrer Anfang Oktober freigeben, brandet eine Welle der Euphorie durch das Herz jedes Wintersportlers: „Hast gehört, der Stubaier ist schon offen! Lass am Wochenende skifahren gehen!“ Genau dasselbe denken sich ungefähr 3,5 Millionen andere Menschen auch und so ist es wenig verwunderlich, dass es an den ersten Skitagen der neuen Saison eng zugeht auf den Tiroler Gletschern.  Das Gedränge beim Einsteigen in den Lift wird nur zwischenzeitlich abgelöst von dem Versuch, auf der mit Renntoren bespickten Piste einen ordentlichen Schwung zu machen. Egal, Hauptsache Skifahren!

Saisonclosing – der beste Tag der Saison?

Am Ende der Saison ist das ganz anders. Man erreicht den Parkplatz der Bahn und wundert sich, dass man um 10 Uhr noch immer fast der einzige Skifahrer zu sein scheint. Im Skigebiet geht es einem nicht anders. „Wo sind denn alle? Es ist bestes Wetter, fast alle Pisten sind noch geöffnet und keine Sau interessiert sich dafür?“ Der Mensch ist schon ein seltsames Rudelwesen! Genau an solchen Tagen hat man wohl den besten Skitag in der Saison, und das nur, weil alle anderen schon wintermüde sind und bereits längst am Gardasee ihren Winterspeck abliegen. Mir solls recht sein!
DSCN3149Nachdem die letzte Abfahrt getätigt wurde, setzt man sich zufrieden in den Liegestuhl am Schirm und blickt auf die noch immer verschneite Bergwelt. Die Sonne steht schon viel höher am Horizont und es ist nicht schwer zu erraten, dass sie uns noch länger beim Bier trinken erhalten bleibt. Auch das ist ganz anders: An der Schirmbar stehen nicht etwa 10 Deutsche Fußballer und 5 schleimige Holländer. Nein, heute trifft man dort Herrn Riml und Co zum netten Plausch am Ende der Saison. Auch sie sind froh, dass die Wintersaison mehr oder weniger gut über die Bühne gelaufen ist und betrinken diese Feststellung mit dem ein oder anderen Stamperl. Auch wir werden eingeladen, mitzutrinken, mitzufeiern, denn heut ist ja wirklich ein besonderer Tag: Die Bar sperrt zu, und das für 6 Monate. Das heißt, alles was jetzt nicht getrunken wird, muss mühsam ins Tal befördert werden. Also spendiert der Kellner – so freundlich wie er ist – einen ganzen Eimer Sangria – oder wie es die Einheimischen Hoteliers nennen: Einen „Weltcup“!

So sitzen wir da in unserem Liegestuhl mit einem Eimer Sangria und 10 Strohhalmen für 2 Personen, auf 2500m im Schnee und das im Mai. Im Hintergrund läuft „I am from Austria“ und wir fühlen uns wie die Götter im Schnee, überflutet vom Glück diesen einmaligen Tag miterlebt haben zu dürfen…

Oh ja, ich freue mich wirklich auf das Saisonclosing! 🙂

Um das ganze mit Bildern zu untermalen, ein paar Bilder von diesem einmaligen Tag!

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