Das waren noch Zeiten, als die DSV Adler rund um Martin Schmitt und Sven Hannawald noch mitgemischt haben im Skisprung Zirkus. Länderspielstimmung am Berg Isel, Menschenmassen bereits am Tag der Quali, Günther Jauch der das ganze Spektakel für die Millionen von Hanni-Groupies zwischen 12 und 102 in Deutschland moderierte. Mittlerweile sind die teutonischen Adler zu harmlosen Spatzen mutiert und die Begeisterung hat rasant abgenommen. Schade für den Tourismus, gut für die Volksseele: Wenn schon nicht beim Fußball, dann zeigen wir´s den Germanen eben im Winter. Man ist geneigt zu sagen: früher war alles besser. In meinem Fall stimmt das aber nicht. Bin ich früher noch mit frierenden Zehen in einem der Sektoren gestanden, genieße ich seit Jahren die Annehmlichkeiten eines Platzes im VIP Zelt mit freiem Blick auf die Schanze bei feinen Happen von DO&CO und dem einen oder anderen Gläschen Wein. Jaja, das Leben des Tirolbloggers ist hart.

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Skispringenschauen unter Wölfen

Wobei das ganze ja nicht nur Vorteile mit sich bringt. Anstatt mit den Massen zu feiern, teile ich mir den Platz mit am Panoramfenster mit der Prominenz des Landes. Das beste Essen könnte einem im Halse stecken bleiben, wird es von der näselnden Stimme des Herrn Van Staa begleitet, der sich in bester Altlandeshauptmann Manier durch das Weinsortiment trinkt bis die Nase rot und die Augen glasig sind. Auch der aktuelle Landesvater ist anwesend. Man möge mir verzeihen, ich habe es nicht geschafft ihm was ins Essen zu mischen. Wie immer sympathisch und leutselig unser oberster Tirol Werber Joe Margreiter, der alle im Zelt irgendwo schon mal gesehen hat, aber grad nicht einordnen kann.


Stimmung am Berg Isel

Trotzdem: ein bisschen was bekommt man ja mit von der Stimmung am Berg Isel, auch wenn einem die Moralpredigt die Van Staa im nicht mehr ganz nüchternen Zustand einem jungen VIP („Du musst das halt brav machen, im Skigymnasium, sonst wird das nix….“) in den Ohren summt. Die Glühweinstandln am Weg zum Stadion haben Hochsaison. Ist ja auch kalt, da muss man sich schon von innen wärmen, zumindest warme Gedanken braucht´s. Die Stimmung steigt mit der inneren Hitze natürlich auch an. “
Alle können springen nur der Martin nicht, der kann das nicht, das Arschgesicht.
Bei Sportveranstaltungen gehen die Wogen der Deutsch – Tiroler Freundschaft eben noch immer hoch. Die Schweizer bimmeln mit ihren Kuhglocken, viele Fans haben sich die Gesichter angemalt. Andi Goldberger posiert in bester Laune wie immer mit den Fans, die den Schwiegersohn der Nation noch immer anhimmeln. „Andi, du bisch da Beschte….“ Einige von ihnen werden sich dank vollen Tanks nicht mehr an das Springen erinnern können, lustig haben sie es trotzdem.

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Die Menge tobt....

Als Gregor Schlierenzauer sich die Schanze runterwirft schwingen die Rot-Weiß-Roten Fahnen. Ist leider nix geworden. Dafür läuft´s dem springenden Sunny Boy aus Kärnten besser. Zwei Mal Tageshöchstweite, überlegener Sieg, Österreicherherz was willst du mehr? Die besonders hartgesottenen Fans rodeln am Hintern den Sprunghügel hinunter oder tanzen oben ohne zur Hymne bei Minusgraden. Tiroler Bluat isch eben koa Nudlsuppn.

Das Berg Isel Stadion leert sich nach der Siegerehrung, zurück bleiben viel Nationalstolz auf die Air Austria und einige interessante Infos, die man so nebenbei im VIP Zelt aufgeschnappt hat. Das Jahr 2011 hat begonnen, wir bleiben weiter am Ball…. äh…. am Sprung….. äh Puls Tirols!