Gib ihnen den kleinen Finger…

…und sie nehmen die ganze Hand. So oder so ähnlich lässt sich die aktuelle Situation der Tiroler Seilbahnbranche umschreiben. Denn anstatt sich zufrieden zu zeigen, mit den gelockerten Seilbahngrundsätzen, wollen sie jetzt kurz vor dem Ende der Begutachtungsfrist noch mehr Zugeständnisse…das ist heute in der TT zu lesen. (Artikel online)

Wenn der das darf, darf ich das auch…

Die Seilbahngrundsätze 2011 stehen kurz vor dem AbschlussDie 2005 erlassenen Seilbahngrundsätze befinden sich derzeit in einer Überprüfungsphase. Waren bisher Neuerschließungen komplett tabu, sollen nach der Evaluierung Zusammenschlüsse von Skigebieten möglich sein, wenn nur eine Geländekammer dafür verbaut werden muss. Daher wäre in Zukunft vor allem der Zusammenschluss des Osttiroler Skigebiets Sillian mit dem Südtiroler Sexten möglich. Das ist natürlich ein Dorn im Auge anderer Seilbahnbetreiber, die sich benachteiligt fühlen. „Wieso dürfen die das, und wir nicht?“ Laut dem Seilbahnsprecher Franz Hörl sollen generell Neuerschließungen erlaubt sein – gleiches Recht für alle! Klingt eigentlich fair…

Lobbyismus par excellence

Das Gerangel um die Seilbahngrundsätze kann als Lobbyismus par exellence gesehen werden. Umweltreferent Gschwentner und Raumordnungsreferent Switak werden von den Wirtschaftsbossen in die Mangel genommen. Immerhin sollten sie sich mal vergegenwärtigen, wie wichtig die Seilbahnbranche doch für die Zukunft unseres Landes ist. Und wehe dem, die Seilbahner bekommen nicht noch die Sondergenehmigung, auch Ruhegebiete wie die Kalkkögel (Verbindung Schlick – Amamer Lizum) erschließen zu dürfen …dann aber! Ja, was dann? Dann werden die Gespräche abgebrochen, die Seilbahngrundsätze aufgehoben und jeder macht einfach das was er will oder wie?

Seilbahngrundsätze im Land TirolGanz soweit wird es wohl nicht kommen, immerhin haben die Seilbahner ein ganz feines Näschen, wenn es um die Interessen der Bevölkerung geht – und die sehen in einer weiteren Erschließung unserer Berge nicht unbedingt die einzige Möglichkeit, in Tirol zu überleben.
Insofern dürfte eine Eskalation der Verhandlungen nicht im Interesse der Tiroler Seilbahnwirtschaft liegen und die Seilbahngrundsätze 2011 werden wohl doch noch gerade mal so durchgewunken werden. Schließlich stehen 2015 bereits die nächsten Verhandlungen an – und dann lässt sich ja sicherlich wieder über die Neuerschließung eines Gletscherskigebiets reden…