Seit Tagen beherrscht ein Thema die Medien: Missbrauchsvorwürfe gegen die Kirche und deren Umgang damit.

Von Diözesan zur Ombudsstelle

Täglich schaue ich auf den üblichen Newsseiten von Tirol nach spannenden Neuigkeiten aus dem Lande. Doch immer wieder steht irgendein Bischof im Rampenlicht und versucht die scheinheilige Kirche gegen all die Missbrauchsvorwürfe zu verteidigen. Heute ist es der Diözesan-Bischof Scheuer, der in einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung sich über den missglückten „Hirtenbrief“ vom Papst Ratzinger sowie die Abschaffung des Zölibat auskotzt. Zuvor war auf orf.at zu lesen, dass sich viele über die kirchlichen „Ombudsstellen“ beschweren, weil sich die Opfer angeblich zu sehr in das Umfeld der Täter begeben. Ohne das Wort Ombudsstellen jetzt genauer hinterfragen zu wollen (wer zum Teufel kommt auf diese scheiß Namen??), gebe ich aber trotzdem zu, dass mich dieses Thema langsam aber sicher nervt.

Denn, was wird sich daran ändern, wenn sich nach dem großen Hype die Presse wieder von Kirche abwendet, weil es einfach nichts mehr neues schockierendes gibt? Die ständigen Vorwürfe widerholen sich jetzt schon, und so wird sich außer einer kleinen Austrittswelle und vorrübergehender schlechter Stimmung an der heiligen katholischen Kirche nicht viel ändern.

Wir wissen es doch eh besser…

Eine „market“ Umfrage hat ergeben, dass 3 Viertel aller Befragten nicht daran glauben, dass die Kirche alles daran setzen wird, die ganzen Vorwürfe aufzuklären. Und genau das ist auch der Punkt: Wir wissen es eh alle besser:  An der verstaubten Kirche mit all ihren fragwürdigen Ritualen wird sich nichts ändern, solange sie sich nicht an das moderne Leben anpasst. Eheschließung für Homosexuelle, die Stellung zur Abtreibung, Zölibat… Wer von euch glaubt denn wirklich, dass es irgendein Priester schafft, ohne sexuellen Kontakt durchs Leben zu gehen? Meiner Meinung nach ist die Sexualität ein Grundbedürfnis des Menschen – das Zölibat und Leben als Priester daher unmenschlich.

Benediktinergürtel und sexuelle Belästigung in Tirol

Stift Stams: © Jan Golubkow, www.pixelio.de

Stift Stams: © Jan Golubkow, www.pixelio.de

Erst letzten Freitag wurde wieder ein Missbrauchsfall im Tiroler Stift Feicht bekannt. Ein ehemaliger Schüler des Stifts berichtet, dass er als 14 Jähriger 1978 im Internat misshandelt worden sei. Ein Schlag mit dem Benediktinergürtel ins Gesicht oder tagelanges Hungern standen auf der Tagesordnung. Züchtigung par excellence. Nachts kam ab und zu ein Unbekannter zu den Betten der Buben und berührte sie am Genital. Sexuelle Belästigung par excellence. Allerletzte Schublade!

ABER – kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Schaut es in eurem privaten Umfeld anders aus? Sexuelle Belästigung, Misshandlung, Züchtigung gibt es nicht nur in der Kirche!