Das Hahnenkammrennen in Kitzbühel zählt als die sportliche Top-Veranstaltung in Tirol und als das schwierigste Skirennen der Welt. Von all dem großen Sport hab ich leider nicht viel mitbekommen…

Als ich am Samstag morgen um halb 8 nach Kitzbühel aufbreche, bin ich guten Mutes und freue mich auf ein spannendes Hahnenkammrennen. Das Wetter ist perfekt, keine einzige Wolke ist am hellblauen Himmel zu sehen. Es ist also alles bereit, für ein unvergessliches Sporterlebnis.

Ski oder Dosenbier?

Ich habe meine Skier dabei, denn wenn, dann möchte ich mir auch mal die Mausefalle genauer ansehen. Bei meinem Weg Richtung Hahnenkammbahn merke ich aber bereits, dass die meisten Skifans hier eher etwas anderes im Sinn haben: Saufen. Um halb 10 Uhr morgens begegenen mir minderjährige Jugendliche mit halbleeren Sektflaschen in der Hand, andere tragen Paletten Bier Richtung Zielhang. Schon da war mir klar, dass ich mich hier in Kitzbühel nicht besonders wohl fühlen werde.

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Nachdem ich mir die Strecke von oben aus angeschaut hatte, machte ich mich auch auf den Weg Richtung Hausbergkante. Von dort oben aus gesehen, sind die Menschenmassen sind wirklich beeindruckend. Rings um das Zielgelände ist nur ein einziger „Haufen“ Menschen zu sehen. Dann beginnt das eigentliche Rennen. Die ersten Läufer sind auf der Strecke unterwegs und die Zuschauer stimmen sich auf die ganz großen Favoriten ein. Schnell kaufe ich mir auch ein Dosenbier (0,33l, für 3 Euro) und freue mich auf das Spektakel. Mit Startnummer 15 stürzt Michael Walchhofer, ein Raunen geht durch die Menge. Dann kommt der schnelle Lauf von Didier Cuche, Schweizer Fans feuern ihn direkt neben mir an und freuen sich umso mehr, als die Bestzeit erscheint. Nach 22 Fahrern war klar, der Schweizer gewinnt die Streif 2010. Dann wars das, mit dem Sport…

Schatten und 6-Euro Döner

Um zwei Uhr verschwindet bereits die Sonne hinter dem Hahnenkamm. Der Zielhang – bis vor kurzem noch sonnengeflutet – liegt jetzt total im Schatten. Die Menschenmassen bewegen sich Richtung Innenstadt, hier und da stürzen ein paar Fans über ihre eigenen Füße und Ordner kehren die leeren Bierdosen und sonstigen Müll den Hang hinunter. Die Innenstadt ist bereits gut gefüllt. Im ganzen Ort sind Lautsprecher aufgehängt, die von Ö3 und seiner großen „Streif – Party“ beschallt werden. Mich überkommt der Hunger, doch bei einem Blick auf die Preise verkneife ich mir das Hungergefühl schnell wieder. Bosna für 6 Euro oder ein Döner für 6,50 Euro. Mit mir nicht!

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Gegen halb 3 ist meine gute Laune vom Morgen ganz verflogen. Ich quäle mich durch die Menschenmassen in der Innenstadt und blicke immer wieder betrunkenen Prolos ins Gesicht. Ein fettleibiger, rauchender Fan mit Bayernhut und Sonnenbrille oder ein in Tracht gekleideter Tiroler, der lallend versucht, ein paar Mädels anzumachen. Gerne hätte ich auch ein bisschen mitgefeiert, aber dazu brauche ich auch einen Grund. Wenn ich mich ohne Grund zusaufen möchte, dann kann ich auch aufs Oktoberfest gehen oder zu einem Fußballspiel. Dort sehe ich genug Prolos, die in irgendein Gebüsch kotzen oder gegen die nächste Hauswand pinkeln. Beim schwierigsten Skirennen der Welt hätte ich das nicht erwartet…

Bilder von der Streif 2010

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