Der Gast ist König – oder: Über die Tücken des kleinen Wörtchens „Tirol“

Ein Erfahrungsbericht über den kundenorientierter Service in der Touristinformation Innsbruck:

tirolshop1Es ist Samstagnachmittag. Ich wage meine dritte und letzte Chance, meiner Freundin in der Touristinfo noch schnell ihr gewünschtes Geschenk zu besorgen, ehe ich morgen zu ihr fahre.
Zweimal hatte ich diese Woche in der Mittagspause die Touristinfo bereits betreten und hatte mich aufgrund der langen Schlange beide Male entschieden, mein Vorhaben, das besagte Geschenk (das im Tirol-Shop in der Maria-Theresien-Straße nicht verfügbar war) zu kaufen, auf ein anderes Mal zu vertagen.

Samstag mag nicht gerade der geeignetste Tage sein? Ich vertraue ganz auf den kundenorientieren Service der Stadt Innsbruck für unsere in- und ausländischen Gäste und betrete guten Mutes die Touristinformation.
Der gewünschte Werbe-Artikel ist sofort gefunden und ich stelle mich in der Schlange an.
Zehn Personen warten vor und mit mir auf das Freiwerden einer der beiden geöffneten Schalter. Etwas wenig, denke ich mir, zumal einer der beiden Mitarbeiter schon länger abwesend zu sein scheint, betrachte ich mir den leeren Schalter und die unruhigen Gesichter der davor wartenden Kunden.

„Bitte hinten anstellen“

Als die nette, junge Mitarbeiterin nach einigen Minuten erscheint, nutze ich die Gunst der Stunde, gehe auf sie zu und frage höflich, ob ich das Souvenir nicht schnell kaufen kann. „Bitte hinten anstellen“, lautet jedoch die Devise. Also reihe ich mich wieder zwischen die deutschen, italienischen und amerikanischen Gäste und deren quengelnden Kinder ein und warte.
Und warte.
Und warte noch ein bisschen länger.
Der nette junge Mann in dem Innsbruck-Shirt hinter dem anderen Schalter ist eifrig am telefonieren. Soll heißen: Er hält minutenlang den Hörer in der Hand ohne zu sprechen. Eine Frau mit einer Wanderkarte nähert sich der Sercive-Dame des anderen Schalters und fängt kurz danach an, vehement den Kopf zu schütteln und ihre Augen zu verdrehen. Sie nähert sich mir und erkennt mein beiläufiges Schulterzucken. „Dann sollten die hier einfach keinen Shop anbieten, wenn ich mich hier eine halbe Stunde dafür anstellen muss, um mir eine Karte zu kaufen“, raunt sie sichtlich aufgebracht und in tirolerischem Dialekt. „Eine Frechheit ist das!“ Ich gebe ihr den Tipp, es in der nahegelegenen Buchhandlung zu versuchen. Doch die Frau schüttelt den Kopf.

Tirol2Die Service-Mitarbeiterin verlässt erneut den Schalter. Der andere Schalter ist frei. Was ein Erfolg: Aufrücken. Nur noch neun Personen vor mir! Der Raum füllt sich mehr und mehr. Gemeinsam mit der netten, österreichischen Dame fragen wir die jungen Amerikaner am Beginn der Schlange, ob wir vielleicht kurz unsere drei Produkte kaufen können. Das kann ja nur zwei Minuten dauern. Wenn die nette Dame am Schalter denn wieder auftauchen sollte. Am anderen Schalter wird nämlich wieder mal „telefoniert“. Die amerikanischen Gäste willigen ein. Wenn die nur wüssten….

Als der Schalter frei wird, vagen wir unser Glück.
Das ist eine richtige Frechheit!“ schimpft die Dame sofort los.
Du kannst ja nichts dafür. Aber man sollte wirklich einen Schalter nur für den Verkauf öffnen – ich denke nicht, dass ihr so das beste Geschäft macht…“ schiebe ich versöhnlich hinterher.

Troll-Triol-Tioril-Tirlo…

Die Wanderkarte wird eingescannt, es darf gezahlt werden. „…und 50 Cent zurück. Dankeschön.“ Service kann ja so einfach sein. Jetzt bin ich an der Reihe. Die Gürteltasche ist schnell im Computer gefunden und eingegeben. Jetzt nur noch schnell das Kapperl und ich bin frei.
Die junge Dame tippt eifrig auf ihre Tasten ein. „Trol“ erscheint da auf der Anzeige. Kein Artikel gefunden.
„Hm.“
Sie versucht es erneut: „Tiol“.
Das wird so nichts, denke ich mir, drehe mich um und blicke mit entschuldigender Miene zurück zu den amerikanischen Jungs, die nach wie vor unruhig den Beginn der Schlange bilden, mich aber nach wie vor nett angrinsen. Immerhin: Die Schlange ist kürzer geworden. Jedoch wohl kaum durch das Nachrücken der Kunden.

Tirolshop1Die Service-Mitarbeiterin gibt nicht auf: „Triol“ wird an der Anzeige sichtbar.
Es ist aber auch ein tückisches kleines Wörtchen: Tirol.
Vor allem, wenn man in der Touristinfo der Landeshauptstadt arbeitet.
„Die machen’s euch aber auch nicht leicht“ bricht aus mir heraus. „Naa. Probier ma’s mit Schildmütze.“
Gute Idee!
Schlid…“
Ich seufze.
Aber schließlich, zwei Versuche später ist der Artikel gefunden: Schildmütze Tirol – Volltreffer! Was für ein aufregendes System.
Nachdem ich „mit Bankomat“ gezahlt habe, stellt sich der Dame eine weitere verzwickte Aufgabe: Welcher von den vier ausgedruckten Zetteln ist nun der Beleg für Sie und welcher für mich? Sie legt die Zettel alle vor sich auf den Schalter und beginnt zu sortieren.
„Ach, des passt schon“ meine ich eilig und schiebe auf ihr „A Sackerl?“ ein hastiges „Naa danke!“ hinterher.
Ich verlasse eilig den Schalter, danke nochmal den Amis für ihre Geduld und betrachte mit Mitleid die Menschen, die sich mit Wanderkarten und Tirol-Kapperln bewaffnet an das Ende der Schlange stellen. Noch sind sie begeistert von den fünf weißen, rot eingerahmten Buchstaben auf ihren Souvenirs. Fragt sich nur, ob sie genügend Ausdauer mitbringen – für den überaus kundenorientierten Service der Landeshauptstadt.

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