Kein Zweifel, wir leben in Tirol in einer der schönsten Regionen der Welt. Wohnen, wo andere Urlaub machen. Darauf können wir stolz sein. Worauf wir weniger stolz sein können ist, wie wir mit diesem natürlichen Schatz umgehen mit dem wir so reich beschenkt wurden. Jede Aktivität die nicht der Norm, oder dem was einige Herren unter Norm verstehen, wird in Tirol erstmals unterdrückt. Solange, bis der Zug, Gäste anzulocken, abgefahren ist.


Tourengeher? Brauchen wir nicht!

Momentan gehen die Wogen gerade wegen den Skitourengehern hoch. Überall wird gejammert, dass der alpine Skisport den Bach runter geht. Die Lifte werden immer teurer, für Familien ist das Skifahren fast nicht leistbar. Statt sich umzusehen, ob man nicht andere Gäste anlocken kann, probiert man mit Gewalt das alpine Siegel noch tiefer in Tirol einzubrennen. Sicher, Skifahren ist wichtig, der Großteil der Gäste will mit dem Lift rauf. Warum man aber den Tourengehern mit aller Gewalt Prügel vor die Füße wirft, ist unverständlich.

Skitourengehen ist in Österreich noch nichtmal als Sport anerkannt. Es gibt keinen offiziellen Verband, der die Tourengeher vertritt. Zwar gibt es mittlerweile alleine rund um Innsbruck Zehntausende begeisterte Tourengeher, manchmal scheint es aber, dass es unseren Politikern und denen, die das Sagen haben, am liebsten wäre, die Tourengeher würden sich in Luft auflösen. Sehr bequem, wenn eine Gruppe, die gewissen Herren nicht wollen, keine Lobby bekommt!

Tourengehen abseits der Piste ist nicht jedermanns Sache. Nicht jeder der sich gerne an der frischen Luft betätigt ist Alpinist genug, um im freien Gelände zu gehen. Soll er es deswegen unterlassen? Wenn Herr Schröcksnadel am Patscherkofel das Tourengehen verbieten will, ist das unter die Kategorie Dummheit einzuordnen. Er scheint übrigens mittlerweile zur Vernunft gekommen zu sein, die Tourenspur am Rand der Piste lässt grüßen. Überteuerte Parkplätze für Tourengeher in den Skigebieten sind die Regel. „Sollen sie doch parken wo sie wollen, aber nicht hier!“ Dass es möglich ist, dass Skitourengeher angezeigt werden wenn sie auf den Glungezer gehen, weil sie im Winter ein Feld überqueren, kann es sich eigentlich nur um einen Schildbürgerstreich handeln. Leider aber um einen realen, der von unserer Bauernpolitik mit ihren vorgestrigen Meinungen gedeckt wird. Übrigens: einige Skigebiete sind liberaler. Auf der Bergeralm freut sich das Bergrestaurant über die konsumierenden Gäste mit den Fellen auf den Skiern.


Ein Rückblick auf vorhergegangen Fehler – Tirol ist kein Platz für Snowboarder….

Als Anfang der 90er das Snowboarden seinen Siegeszug antrat, wurden die Boarder auf Tiroler Pisten gar nicht gerne gesehen. Skifahren OK, die wilden Rowdys auf ihrem Brettl brauchen wir aber nicht. Ich kann mich noch erinnern, dass sogar an ein Snowboardverbot gedacht wurde. Statt das junge Publikum nach Tirol zu locken, vergraulte man die potentiellen Kunden von morgen.

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…Mountainbiker…..

Das selbe Schicksal erlitten die Mountainbiker, was uns als Radgeschäft besonders weh tut. Fahrverbote auf den Forstwegen, Jäger die auf die Biker fluchen und toben und auf Wanderwegen ausgestreute Nägel. Hat´s wirklich gegeben damals, als das Biken noch nicht salonfähig war. Die logische Folge? Keine Bike Touristen. Damals waren das die jungen Wilden, heute sind es die Besserverdiener, die sich ihren Urlaub eine schöne Stange Geld kosten lassen. Nur eben am Gardasee statt hier bei uns, wo die Bedingungen weltweit zum Biken vielleicht einzigartig sind. Erst jetzt, viel zu spät, wacht man bei der Tirolwerbung auf und forciert das ganze.

….Downhiller…..

15 Jahre später, selbes Spiel mit den Downhillern. Egal wo, den Sportlern werden Steine in den Weg gelegt. Noch sind es wenige, die diesen Sport ausüben, aber das war bei den Boardern und Bikern anfangs auch der Fall. Wer am Anfang nicht mit von der Partie ist, bekommt nicht den Kultstatus als Region den man braucht, um Gäste anzulocken. Wer auf die Jungen verzichtet, der verzichtet automatisch auch auf die Gäste, wenn sie älter sind und der Geldbeutel prall gefüllt ist. Dass Sportler tendenziell zur wohlhabenden Bevölkerung zu zählen ist, ist kein Geheimnis. Aber der Sommertourismus braucht diese Gäste ja nicht. Dann doch lieber wieder Wandern….

Dieser Artikel wurde vom Radstudio Innsbruck geschrieben.