Ein sonniger und warmer Sonntag Nachmittag im November. Was gibt es schöneres als bei den feinen Temperaturen einen Stadtspaziergang zu machen. Das denken sich viele Inns‘ brucker die nicht gerade beim Skiopening in Obergurgl die Pisten quälen. Auch einige Touristen, vor allem Italiener, genießen den schönen Tag. Inns‘ bruck, gastliches Herz der Alpen…

Orangerie Innsbruck

Willkommen in der Orangerie Innsbruck

Servicewüste Inns‘ bruck

…zumindest in den Köpfen unserer Touristiker. Was man als Gast vorfindet, ist eine Servicewüste der Sonderklasse. Das einzige, das unsere Gastroprofis auf hohem Niveau schaffen, ist Jammern. Es scheint aber trotz des dauernden Klagelieds allen viel zu gut gehen, wie folgende, kleine Episode vermuten lässt.

Orangerie Innsbruck: Zumutung an den Gast

Start unserer Wunderreise durch die Inns‘ brucker Innenstadt ist die Orangerie in der Maria Thersienstraße. Richtig einladend sieht das ja nicht aus, was einem hier präsentiert wird. Meine Frau, als Innenstadt – Bürodame ein gebranntes Kind, warnt mich vor. „15 Minuten Wartezeit mindestens, da bekommen wir nix? Zu Mittag sind hier Leut schon verhungert“ Trotzdem versuchen wir unser Glück eine Tasse Kaffee zu ergattern. Der Platz ist ja schön zum Sitzen, kann ja nicht sein, dass….

Ist es aber. Nachdem nach über 15 Minuten (gestoppt, nicht geschätzt, werte Leserschaft) unser Tisch noch nichtmal abgeräumt wurde, geschweige denn eine Bestellung aufgenommen wurde, räumen wir angefressen das Feld. Die Kellnerin könnte einem schon fast Leid tun, flitzt sie doch zwar kopflos aber fleißig herum. Sie ist zuständig für circa 30 gut gefüllte Tische und muss für jede Bestellung nach oben in den ersten Stock laufen um dort die Getränke zu holen. Tolles Konzept! Mir wurscht! Nächster Versuch im….

…Cafe Manners Innsbruck: wo der Gast Trottel ist

Das Lokal innen ist sehr gut besucht, wir finden auch einen freien Tisch. Mittlerweile sind wir zu dritt, ein Freund ist dazugekommen. Nach 15 Minuten melden wir uns höflich beim Kellner zu Wort. „Nicht meine Station, die Kollegin kommt gleich,“ so der souveräne Kommentar. Nach 20 Minuten (erneut gestoppt!) kommt die weniger souveräne Kollegin dann gnädigerweise vorbei und wir geben unsere Bestellung auf. Unwillen kann man der Dame nicht unterstellen, eher scheint es so als habe der Chef des Hauses hier eine Studentin eingestellt die nicht Herrin der Lage ist. Unseren Nachbarn vom Nebentisch geht es nicht anders. Erste Scherze werden schon gemacht, aber wir geben nicht auf.

Erste Erfolge

Kaffee, Soda Zitrone und großes Bier und Kuchen. Wir warten. Das Licht verbrennt, die Zeit verrinnt. Nach insgesamt 40 (!) Minuten sehen wir unsere Bestellung dann daherkommen. Zielstrebig geht die junge Dame mit dem Bier zum Nebentisch. „So, ein Bier.“ „Das haben wir nicht bestellt.“ „Ääääh, ich glaube wir bekommen das Bier dann.“ Zack, so schnell kann es gehen! „Hier das Soda Zitrone“ „Äääääh… das haben wir auch nicht bestellt.“ „Das Soda Zitrone ist ebenfalls bei uns.“ Etwas verwirrt der Gesichtsausdruck bei unserer Bedienung, aber 2 von 4 Artikeln haben ihren Abnehmer gefunden. Die Logik scheint ebenfalls zu greifen, der Versuch den Kaffee und den Kuchen am Nachbartisch abzustellen wird unterlassen. Hurra! Meine Bitte „Wir möchten bitte dann auch sofort bezahlen, zum Abendessen müssen wir nämlich dann zu Hause sein,“ wird mit Gelächter vom Nebentisch begleitet. Die Rechnung folgt übrigens 20 Minuten später.

Innsbrucker Lokale: eine Katastrophe

Es scheint unseren Innenstadt Gastronomen einfach zu gut zu gehen. Anders ist es nicht zu verstehen dass Gäste am Trockenen sitzen. Es kann doch keine Überraschung sein, dass an schönen Herbsttagen die Lokale gefüllt sind. Dass trotzdem kein Personal vorhanden ist, ist Unfähigkeit. Dass das Personal keine gelernten Kellner sondern allzu oft hilflose und überforderte Aushilfen sind, ist der pure Geiz.

Liebe Gastronomen: ein guter Kellner ringt einem Gast in derselben Zeit 2 Bier ab in dem ein schlechter Kellner die Bestellung für das erste aufnimmt. Qualifiziertes Personal zahlt sich aus. Sein Personal gut zu bezahlen ebenfalls. Die angenehme Folge der Umsatzbeteiligung nennt man: Motivation. Deren Folgeerscheinung: schnellen und guten Service. Hier unterscheiden sich schlechte Lokale von den guten, erfolgreiche von den Pleitegeiern.

Beispiele für guten Service: Theresienbräu zu Mittag, Elferhaus, Augustiner, Krahvogl…

Beispiele für miesen Service: Theresienbräu am Abend, Gösser´s, Hofgarten, Stadtcafe….