Ein Rundgang über unseren Vergnügungspark in Tirol heute zeigt mir mal wieder: Auf dem Rummel trifft sich eigentlich nur der Mob. Ein Lokalaugenschein:

Mittwoch Nachmittag im Juli in Innsbruck. Familientag im Vergnügungspark in Innsbruck. Billigere Fahrpreise bei den Fahrgeschäften sollen das Volk anlocken. Doch vom Volk war heute Nachmittag nicht viel auf dem Platz neben dem Tivoli Stadion zu sehen. Außer ein paar fettleibigen Jugendlichen und einem Ausflug vom Altersheim waren kaum Leute anwesend. Kein Wunder – wer mag schon bei 35 Grad und trockener Luft über diesen armseligen Platz laufen? Da bleibt man doch lieber in seinen vier Wänden oder haut sich in irgendeinen Badesee.

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Vergnügungspark = Volksfest?

Bergkirchweih in Erlangen - Volksfest für Jung und Alt

Bergkirchweih in Erlangen - Volksfest für Jung und Alt

Wenn ich das Konzept richtig verstehe, dann ist dieser „Vergnügungspark“ im eigentlichen Sinne ja ein so genanntes „Volksfest“. Nur ist dieses Volksfest bei uns in Innsbruck wirklich nur zu einem jämmerlichen Schaustellerpark verkommen. Ein Fahrgeschäft reiht sich zusammen mit kleinen Losbuden an das nächste – ohne Liebe fürs Detail – einfach nur hingestellt. Nichts von Gemütlichkeit, nichts von gemeinsam zusammen sitzen und ein Bier trinken und schon gar nichts von Brauchtum. In diesem Punkt können wir uns echt eine Scheibe von unseren bayrischen Nachbarn abschneiden. Als größtes Volksfest der Welt sollte wohl allen die Münchner Wiesn mit seinem Oktoberfest bekannt sein und auch weiter im Norden genießen Feste wie die Erlanger Bergkirchweih höchste Beliebtheit – dort trifft man wirklich noch Jung und Alt bei Bier und Musik – eben das ganze Volk, so wie sich das eigentlich auch gehört.

2. Versuch bei Dunkelheit

Am Abend begebe ich mich nochmal zum Vergnügungspark am Tivoli. Da schau an, jetzt ist schon deutlich mehr los! Viele nutzen die laue Sommernacht und die „günstigen“ Preise des Familientags für einen Besuch. Aber wenn man sich die Menschen ein bisschen genauer anschaut, ist es trotzdem fragwürdig, wer denn da überhaupt zu Gast im Vergnügungspark ist: Die meisten sind halbwüchsige Jugendliche mit dem obligatorischen Piercing in der Nase und dem scheinbar trendigen Vokuhila (ihr wisst schon – dieser eklige, buschige Haarschwanz, der vor allem bei Türken beliebt ist) oder aber es ist gleich die komplette, arbeitslose Familie, die ihren 3 Kindern etwas Abwechslung zum sonstigen Alltag in der Hochhaussiedlung bescheren möchte. Ich möchte wirklich nicht abgehoben klingen, aber ich fühle mich in diesem Vergnügungspark wirklich fehl am Platz.

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Wieso ist das bei uns in Tirol nicht so wie bei den Bayern? Wieso haben wir nicht ein gemütliches Fest in Innsbruck, wo sich das ganze Volk gerne blicken lässt und man sich dann eben nicht fremd fühlen muss? Wieso ist unser „Volksfest“ am Stadtrand auf einem tristen Platz ohne jegliche Begrünung und nicht in der Stadt? Wieso besteht der Vergnügungspark nur aus Fahrgeschäften und Losbuden und bietet nicht ein „Bierzelt“ für ein gemütliches zusammen sitzen mit entsprechender Musik?

Schade, dass unsere Landeshauptstadt das als „Vergnügen“ sieht…