Perfektes Wanderwetter lockt Scharen auf Altar von Tirol – und trotzdem ist hier bei der Serles die Welt noch in Ordnung…

Wieder mal ist es Sonntag, nur diesmal herrscht perfektes Wanderwetter in Tirol. Anders als letzte Woche konnte man dieses Mal also zu einer richtigen Wanderung aufbrechen und war nicht gezwungen, einen kleinen Spaziergang am Achensee zu machen. Also stand heute die gute alte Serles auf dem Programm. Alle Alpenisten werden sich in diesem Moment schon die Hände über den Kopf zusammenschlagen, denn es sollte bekannt sein, dass bei derartig schönem Wetter der „Altar von Tirol“ heillos überlaufen ist. Ich weiß das zwar auch, aber ich hab mich trotzdem für den Gipfel entschieden. Ich hatte einfach Lust drauf. Eine bessere Ausrede fällt mir nicht ein. 😉

Eisenleiter Serles

Stau wegen Massenabfertigungnabfertigung

Die Karawane zieht weiter…die Serles hält durch…

Und so kam es dann auch wie erwartet: In Karawanen und Scharen kämpften sich die vielen Wanderer im Zick Zack durch das Kar hoch zum Serlesjöchl. Vor der einzigen Schwierigkeit auf dem Weg zum Gipfel – eine kleine Eisenleiter – gibt Stau und Blockabfertigung wegen Überlastung. Es ist einfach der gewissen Herdentrieb im Menschen, der an solchen Tagen zum Vorschein kommt und ein „Griaß enk“ auf dem T-Shirt hätte so manch gequältes dahinnuscheln erspart. Trotzdem nimmt man diese ungewollte Völkerwanderung gerne in Kauf, sitzt man doch wenig später hoch oben auf der 2.717 Meter hohen Serlesspitze. Tief unter einem liegt Stubai-, Inn- u. Wipptal, gegenüber blickt man auf die schneebedeckten Stubaier und Tuxer Alpen und ganz in der Ferne lassen sich die Dolomiten erkennen. Genau deswegen sitzen mit einem 50 andere hier oben und sind überglücklich über diesen Anblick. Klar, möchte ich mir hier nicht auf sächsischen Dialekt Halbwahrheiten über unsere Tiroler Bergwelt anhören, aber wie gesagt – der Anblick entschädigt für so einiges.

Einsamkeit ist was Schönes!

Wanderung Serles

Beim Abstieg auf der Nebenroute findet man so manchen einsamen Fleck...

All zu lange verharre ich nicht auf dem Gipfel, sondern mache mich lieber auf zum Abstieg, um auf einem kleinen verlassen Seitenweg unterhalb der Lämpermahdspitze doch noch die gewünschte Ruhe zu finden. Von nun an schreite ich alleine durch eine Schotterwüste, quere verlassene Almwiesen und durchstreife lichte Kiefernhänge, bis ich schließlich die im Tal gelegene Ochsenalm erreiche.

Tiroler Gemütlichkeit 3.0: Die Ochsenalm

Gaisalm Serles

Bei der Gaisalm zu Fuße der Serles wird Gemütlichkeit GROß geschrieben.

Hier oben auf dieser Almfläche finde ich das, was ich letzten Sonntag bei der Gaisalm am Achensee vergeblich gesucht habe: Gemütlichkeit. Ich bin noch gar nicht richtig auf der Ochsenalm angekommen, schon zieht mich der Klang von  Quetschn und Akustikgitarre magisch an. Gelbe und rote Sonnenschirme stehen wie im Bilderbuch auf der hellen Holzterasse, die meisten Menschen unterhalten sich in angenehmer Lautstärke und wie bestellt ist genau noch ein Platz für mich frei. Bei einer netten, hiesigen Bedienung bestelle ich eine Frittatensuppe mit Skiwasser, meine Freundin nimmt sich ein Kiachl mit Preiselbeeren und einen Johannisbeersaft. Alles zusammen für 9,20 Euro! So sitzen wir hier, genießen den schönen Anblick von König Serles und lauschen der original Tiroler Musik. Das, liebe Besitzer der Gaisalm, nennt sich Tiroler Gemütlichkeit. Davon, seit ihr mit eurem Seblstbedienungsschuppen meilenweit entfernt!

Wie froh bin ich doch, an diesem wunderschönen Sonntag im September, auf die Serles gegangen zu sein. So weiß ich zumindest, dass hier und da, die Welt/Tirol noch in Ordnung ist!

Linktipp

Übrigens, wer auf der Suche nach ein paar Ideen für einen Wanderurlaub ist, der kann sich auf dem Bergleben Blog hilfreiche Tipps rund um das Thema Wandern und Klettern holen.