Wenn Umweltschutz zum Frevel wird

Haiming1-Peter ZollerDie Tiwag plant ein Kraftwerk in Haiming, in dem das im Kraftwerk Imst-Prutz abgearbeitete Wasser nochmals genutzt wird. Integraler Bestandteil der Planung sind sogenannte Ausgleichsbecken, die das abgearbeitete Wasser verzögert an den Inn abgeben. Diese Ausgleichsbecken führen zu immensem Grundverbrauch: Wertvoller Kulturgrund geht unwiederbringlich verloren.

Das von der Tiwag geplante Ausleitungskraftwerk Imst-Haiming scheint eine tolle Sache zu sein: Mehrfachnutzung von Wasser, regelmäßige Energiegewinnung für die alltägliche Nutzung, Wirtschaftlichkeit. Aber der Plan hat einen Haken.

Im geplanten Kraftwerk wird das Wasser, das im Kraftwerk Prutz-Imst bereits seit Jahrzehnten genutzt wird, nochmals durch die Turbinen geschickt (dazu kommt das schwallartig anströmende Innwasser aus den benachbarten Schweizer Kraftwerken): Ohne den Inn aufzustauen, wird das Wasser in einem Stollen entlang des Tschirgantmassivs bis Haiming geleitet und dort in einem Kraftwerk, das nördlich der Autobahn in einer riesigen Kaverne am Bergfuß errichtet werden soll, abgearbeitet. Der Strom wird mit einem unterirdischen Kabel Richtung Stams geleitet und dort in das 110KV-Netz eingespeist. Anschließend wird das Wasser in riesige Ausgleichsbecken geleitet und von dort aus an den Inn abgegeben.

Haiming3-Simon WegleiterRiesige tote Wasserflächen

Der Sinn dieser Ausgleichsbecken liegt darin, dass sie die Wasserrückgabe an den Inn, die je nach Betrieb des Kraftwerks schwallweise erfolgen würde, puffern: Das abgearbeitete Wasser wird verzögert und regelmäßig in den Inn geleitet. Das ist aus Umweltschutzgründen erforderlich. Durch die ständig rasch wechselnden Wasserhöhen wären ansonsten viele Tierarten gefährdet. Diese Ausgleichsbecken sind gesetzlich vorgeschrieben: In der „EU-Wasserrahmenrichtlinie“, die von Österreich als nationales Gesetz übernommen wurde.
Die Ausgleichsbecken nehmen in den Planungen der Tiwag riesige Flächen in Anspruch: In Imst etwas 6 ha, in Haiming 5-6 ha und in Silz etwa 10-12 ha!
Es handelt sich dabei um wertvollen landwirtschaftlichen Kulturgrund, der unwiederbringlich verloren ist: Allein in der Haiminger Au verschwindet ein Großteil des Grundes unter einer riesigen, in ihrer Höhe dauernd schwankenden und daher nicht nutzbaren Wasseroberfläche.

Das ist Umweltfrevel im Namen des Umweltschutzes! Die Haiminger Bauern sprechen sich entschieden gegen diese Pläne aus: Wenn schon ein Kraftwerk (dessen wirtschaftlicher Nutzen umstritten ist), dann ohne Ausgleichsbecken. Denn hier wird die Lebensgrundlage unserer Kinder zerstört: Wovon sollen wir uns ernähren, wenn jeder Acker und jede Wiese verbaut wird, wie sollen wir regionale Produkte erwerben, wenn keine Anbauflächen mehr vorhanden sind? Stichwort “land grabbing”: In Österreich werden täglich 22 ha an Grundflächen unwiderruflich “verbraucht”!

Klare Forderung:

Die Forderung der Haiminger Bauern ist klar und unmissverständlich: Nein zur geplanten Innstufe Imst-Haiming! Weil Umweltschutz nicht zum Frevel werden darf.

Haiming1: Peter Zoller. Bu.: Tiwag-Probebohrung im Apfelparadies

Haiming2: Simon Wegleiter, Bu.: Land unter? Laut Tiwag soll hier eine riesige tote Wasserfläche entstehen

Haiming3: Simon Wegleiter, Bu.: Tiwag-Probebohrung in Haiming

– Projektbeschreibung Tiwag-AG
– Projektbeschreibung Dr. Robert Reindl/Tiwag-AG
-http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/verkehr/auswirkungen_verkehr/flaechenverbrauch/

Haiming, 24.4.2014
Kontakt: Heinz Modlik, Alte Bundesstraße 6, 6425 Haiming. Tel.: 0676-88144210

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