Wie Skigebiete mit den Pistenkilometern lügen

Als Konsument läuft man ja gern mal blauäugig durchs Leben und lässt sich von so manch guter Werbung zu einem Kauf überreden. Nicht selten ist dann die Enttäuschung groß, wenn das Produkt nicht dem entspricht, was man sich vorgstellt hat. Viel schlimmer ist es noch, wenn das Produkt nicht das hält, was die Werbung verspricht. Viele beschweren sich, geben die gekauften Produkte zurück und bekommen – meistens – ihr Geld zurück. Das Unternehmen wird daraus lernen und es beim nächsten mal anders formulieren.

Pistenkilometer – das Verkaufsargument

Mit Dienstleistungen verhält sich das etwas anders. Die Wahrnehmung der Leistung ist subjektiv, sie ist von äußeren Faktoren abhängig und nur ganz schwer vergleichbar. Skifahren erfüllt genau diese Kriterien. Wie soll man nun also als Skigebiet dem Konsumenten sagen, was er erwarten kann?

„Tolles Panorama“?  –> hat jeder
„Familienfreundlichkeit“? –> kann jeder
„Skipisten für Anfänger und Profis“? –> hat angeglich auch jeder
„181 Pistenkilometer!“? –> Nein, das hat nicht jeder – das haben nur wir!!

Das Verkaufsargument ist also gefunden: Die Pistenkilometer! An diesem Kriterium orientiert sich auch der durchschittliche Winterportler. „So um die 100 Pistenkilometer solltens schon sein!“ Wer will im Winterurlaub denn immer die gleiche Pisten fahren? Da hätte man ja auch gleich im Mittelgebirge bleiben können. Von daher gilt wohl das stille Gesetz: Wer wenig Pistenkilometer hat, hats schwer, im Wintertourismus mitzumischen.

Tirol – 1.000nde Pistenkilometer

Schauen wir uns mal in Tirol um:

Stubaier Gletscher – 110km Pisten*
Kaltenbach Hochfügen – 181km Pisten*
St. Anton am Arlberg – 280km Pisten*
(*offizielle Angaben der Skigebiete)

Na, das klingt doch gut – Aber: Entsprechen diese Angaben auch der Wahrheit?

Wer schon mal im Skigebiet Kaltenbach Hochfügen unterwegs war, der wird sich nach dem Skitag vlt. auch gefragt haben: Wo waren diese 181 Pistenkilometer? Christoph Schrahe ging es wohl genauso und hat sich deshalb diese Angelegenheit mal genauer angesehen. Bei seiner Untersuchung von 80 Skigebieten weltweit, die mehr als 110 Pistenkilometer versprechen, stellte er fest, dass es so manches Skigebiet bei seinem Pistenkilometerangaben nicht so genau mit der Wahrheit hat. Er fuhr die Skigebiete ab und nahm als Pistenlänge die Falllinie in der Mitte. Und siehe da – plötzlich halbiert sich so manches Skigebiert von der Größe: Der Stubaier Gletscher hat nach seiner Messung lediglich 47 Pistenkilometer, das Hochzillertal lediglich 83km!

Länge mal Breite²!

Die Skigebietsbetreiber könnten natürlich alles erklären. So zählt manches Skigebiet ab einer gewissen Breite ihre Skipisten einfach doppelt, denn man könnte ja auch 2 Pisten daraus machen. Außerdem fährt fast kein Skifahrer in Falllinie die Piste hinab, sondern macht hier und da ein paar Schwünge – also muss man das auch bei der Länge der Pisten berücksichtigen. Ah ja! Die 110 Pistenkilometer vom Stubaier Gletscher sind also legitim – schließlich hat man da regelrechte Autobahnen als Pisten und Carven lässt sichs dort ja auch ganz vorzüglich!

Diese Piste am Stubaier Gletscher darf mal also auf jeden Fall doppelt zählen, weil sie übermäßig breit ist!

Die Tiroler Skigebietsbetreiber sind mit der Lügerei übrigens nicht alleine im Geschäft – auch Portes du Soleil in der Schweiz oder Monterosa Ski in Italien nehmens mit den Kilometern auch nicht so ernst.

Lösung? Pistensiegel!

Wie nun also dieses Durcheinander lösen, wenn da jeder seine eigenen Messangaben machen kann? Die Lösung steckt wohl in einem freiwilligen Pistensiegel, das Skiebiete verliehen bekommen, wenn sie sich von einem unabhängigen Institut überprüfen lassen. Ohne Anreiz wird das aber nur wenige Skigebiete interessieren. Und bis das soweit ist, werben wir lieber noch länger mit dem grenzenlosen Skivergnügen…