3 Tage Dauerregen waren genug. Frau und Kind nicht zu Hause, Neuschnee für mich als Skiverweigerer uninteressant, was also liegt näher als ein Kurzurlaub? Vergangenen Samstag packte ich kurzentschlossen meine Koffer und machte mich auf den Weg Richtung Süden. Mein Ziel: das Meer der Tiroler, die Hochburg Innsbrucker Pfingst- und Osterfreuden, die letzte Bastion des österreichischen Möchtegern-Imperialismus. Kurzum: der Gardasee.

Gardasee

Über den Brenner in eine andere Welt

Die Fahrt ins Land, in dem die Zitronen blühen, kann man durchaus mit einer Kurzfassung von Dante´s Göttlicher Kömödie vergleichen. Bei Schlechtwetter startet man in die Hölle des Brenners um auf der anderen Seite ins Purgatorium Südtirol zu gelangen und schlussendlich den Himmel Italien zu erreichen. Schnee am Brenner, dem hässlichsten Ort Tirols, Sonne ab Brixen, Frühling am Gardasee.

Wieviel Tirol ist noch in Südtirol?

Immer wieder wundere ich ich mich über die Begehrlichekeiten, die unsere Politiker ab und an noch immer verlauten lassen, Südtirol sei ein Teil Tirols. Stimmt schon, unsere Brüder und Schwestern in Transbrennerum haben natürlich noch viel mit uns gemeinsam. Wenn man aber durch Südtirol fährt, merkt man dass es ihnen eigentlich ganz gut geht, so wie es ist. Die Zeiten der Unterdrückung sind vorbei. Und es hat ja auch so sein gutes, Teil Italiens zu sein: der Kaffee an der miesesten Raststätte schlägt den im feinsten Kaffeehaus Innsbrucks noch immer um Längen. Wer die Autos sieht, die sich auf der Autobahn tummeln, kann sich auch recht sicher sein dass Südtirol nicht zu den ärmsten Regionen Europas gehört. Ich denke, das tröstet über zweisprachige Ortstafeln hinweg.

Verfrühter Frühling am Lago di Garda

Nach etwas über 2 Stunden steige ich in Bardolino aus dem Auto. Unglaublich, wie schnell man im echten Italien ist. Zumindest außerhalb der Urlaubssaison. Die Luft ist angenehm warm, die Sonne scheint, ringsherum blüht einem die erwachte Natur entgegen. Nur am Monte Baldo blitzt noch der Schnee weiß auf. Im kurzen Shirt kann man schon draußen sitzen und ein Glas Wein genießen. Zumindest wenn Tiroler Blut durch die Adern fließt. Die Weicheier von Italienern hingegen flanieren in Pelzmänteln durch die Straßen.

Fremde Länder, fremde Sitten

Man taucht nicht nur in ein anderes Klima ein, auch die Kultur hat sich in 270 km von alpin auf mediterran geändert. Ein FIAT Uno wird hier noch als Auto betrachtet. Gesprochen, nein eigentlich gebrüllt, wird unter Zuhilfenahme von Hand und Fuß. Menschen ohne Sonnenbrille sieht man maximal in der Nacht, und auch dann nur in besonders finsteren Kellerlokalen. Und Wein ist soetwas wie ein Grundnahrungsmittel.

Wohnen in Italien – Nein Danke!

Schön ist es in Italien, nur wohnen möchte ich dort nicht. Die Häuser am Straßenrand außerhalb der Tourismuszentren könnten ebenso dem UNO Bericht für Aufbauarbeit in Rumänien entsprungen sein. Wer in Italien mal im Krankenhaus war, weiß warum die Italiener so gerne nach Innsbruck kommen um sich behandeln zu lassen. Und wer denkt, wir sind mit unseren Politikern bedient, sollte sich mal mit einem Italiener unterhalten. Da kann unser Ernstl S. noch was lernen in Sachen Lobbying und Korruption.

Nach 2 Tagen Sonnenschein, ein paar Gläsern guten Bardolino Weins, unzähligen Cappuccini, Pizza, Pasta und Grissinis, mache ich mich wieder auf den Weg zurück ins Heilige Land. Mittlerweile hat uns auch schon der Frühling eingeholt. Das Karwendel lacht mir in der Abendsonne entgegen. Schön, wieder zu Hause zu sein!