Am Mittwoch war ich im Skigebiet Obergurgl-Hochgurgl unterwegs. Mein perfekter Skitag wurde nur vom Mittagessen getrübt. Immerhin zeigte sich das Restaurant als Könner im aktiven Beschwerdemanagement…

Obergurgl – Hochgurgl liegt versteckt ganz hinten im Ötztal. Die meisten Ski-und Snowboardfahrer stoppen schon 15km weiter vorne in Sölden. Scheinbar lieben Sie Massentourismus, denn im Skigebiet vom „Hotspot der Alpen“ tummeln sich generell mehr Leute als nur 10 Autominuten weiter hinten im Tal. Egal, mir solls recht sein, so bleibt in Obergurgl-Hochgurgl mehr Platz für mich.
Die beiden Hoteldörfer ziehen generell ein anderes Pupblikum an, als der Partyort Sölden. Hier finden sich fast nur 4 Sterne Hotels, exklusive Sportläden und moderne Liftanlagen. Lediglich die Gastronomie im Skigebiet erinnert an ein drittklassiges Skigebiet im Salzburger Land.

Restaurant Hohe Mut - nobel und exklusiv - auf 2500 Höhenmeter

Im ganzen Skigebiet gibt es 5 Restaurants, davon sind 2 preislich gesehen eher im oberen Bereich anzusiedeln. Da es mir beim Skifahren eher darum geht, möglichst viele Kilometer an einem Tag zurückzulegen, bevorzuge ich Selbstbedienungsrestaurants. Davon gibt es in beiden Skigebietsteilen jeweils eines. Mir ist klar, dass ich nicht die beste Qualität erwarten kann, aber ein Würstlbuden-Niveau muss schon drin sein. Wenn ein Restaurant in einem derartigen Skigebiet nicht mal fähig ist, schmackhafte Pommes zuzubereiten, ist es zu hinterfragen, ob dessen Existenz gerechtfertigt ist.

Leberkäse mit Steinpommes!

Am Mittwoch wählte ich im SB-Restaurant „Mittelstation“ in Hochgurgl eine Portion Leberkäse mit Spiegeleier und Pommes. 7,50 Euro, Ketchup kostet 40 Cent extra. Nun gut. Für diesen Preis kann man durchaus erwarten, dass das Essen einigermaßen schmeckt. Doch weit gefehlt. Die Pommes waren teilweise hart wie Stein. Beim Kauen dachte man oftmals eher an Kartoffelchips bzw. Knäckebrot. Meinen Kollegen erging es genauso und so waren wir äußerst unzufrieden mit dem Essen.

Als die Teller vom Tisch abgeräumt wurden, machte ich meine Unzufriedenheit kund und erklärte dem Mitarbeiter die Ungenießbarkeit der Pommes. Seine Reaktion überraschte mich doch sehr:

„Wirklich? Das habe ich heute schon mal gehört! Wollt ihr noch einen Teller Pommes haben, ich kümmere mich persönlich darum, dass sie besser schmecken werden!“

Da sagten wir natürlich nicht nein und 3 Minuten später standen vor uns zwei randvoll gefüllte Teller Pommes mit jeweils Ketchup im Wert von 2 Euro.

wurstbude

Eine derartige Form des Beschwerdemanagement nenne ich wirklich hervorragende Servicequalität. Die Frage „Hats geschmeckt?“ war also hier keine rhetorische Frage, sondern ernst gemeintes Interesse. Der Gast fühlt sich für voll genommen und wird entsprechend „entschädigt“.
Eine solch unkomplizierte Behandlung wünsche ich mir öfters in Restaurants. Besonders in derartigen Selbstbedienungsrestaurants wird man sonst nur als „Cash Cow“ gesehen. Persönlicher Service wird so weit wie möglich zurückgeschraubt. Der serbische Tischabräumer nimmt dir womöglich noch das halbvolle Glas weg ohne ein Wort über die Lippen zu bringen

Hier zeigte sich die hochrangige Qualität von Obergurgl. Besser aber wäre es, wenn es gar nicht erst zu derartigen Beschwerden kommt. Es werden nicht alle Gäste ihrem Unmut freien Lauf lassen und dann mit gratis Pommes entschädigt. Diese Gäste sind dann für immer verloren. Ich hingegen werde doch nochmal die Saison im Restaurant „Mittelstation auftauchen und testen, ob die Pommes dann besser geworden sind…

Auch schon derartige Erfahrungen in Restaurants in Tiroler Skigebieten gemacht?